
Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe April:
| ... | 4. Volvo Lochner Cup der SG Steglitz Berlin
Wer am letzten Märzwochenende versucht hat, in der Nähe der Schwimmhalle Finckensteinallee in Lichterfelde einen Parkplatz zu finden, wird es wohl kaum übersehen haben: Die Schwimmgemein-schaft (SG) Steglitz hatte vom 24. bis zum 26. März 2000 zum 4. Volvo Lochner Cup geladen. Und die Resonanz war enorm. So gut wie alle wichtigen Berliner Schwimmvereine hatten ihre Aktiven geschickt, außerdem waren noch etliche Schwimmer aus dem übrigen Bundesgebiet am Start. Insgesamt gab es über 3000 Einzelstarts von 762 Aktiven aus 28 Vereinen. Damit konnten die Organisatoren des Wettkampfes an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen, denn sowohl 1998 als auch 1999 war der Volvo Lochner Cup der größte Schwimmwettkampf in Berlin überhaupt. Als 1996 die SG Steglitz ihr erstes Schwimmfest veranstaltete, hatte kaum jemand geahnt, dass sich dieses binnen kürzester Zeit zu einer festen Institution im Berliner Schwimmsport entwickeln würde, und die meisten Vereine das letzte Märzwochenende des Jahres bereits in ihre Wettkampfplanung einbeziehen. Damals war es gerade einmal ein knappes Jahr her, dass die fünf Steglitzer Schwimmvereine (SV Steglitz, SC Lichterfelde, TSG Steglitz, TuS Lichterfelde und SSC Südwest) sich in der SG Steglitz zusammengeschlossen hatten, um ihre besten und talentiertesten Sportler gemeinsam zu fördern. Im darauffolgenden Jahr konnte das Autohaus Volvo Lochner als Sponsor für die SG Steglitz und die Veranstaltung gewonnen werden, und diese Partnerschaft hat sich seitdem bewährt. Besonders hoch ist das Niveau der Veranstaltung im Nachwuchsbereich. Hier ist regelmäßig fast die gesamte Berliner Spitze am Start. Aber auch von den Erwachsenen wurden in diesem Jahr wieder hervorragende Leistungen erbracht. So wurde bei den Frauen Sandra Thieme (BSV Medizin Marzahn) für die beste Einzelleistung geehrt (100m Freistil in 1:00,96 min.); bei den Männern teilten sich Thorsten Spanneberg (SV Halle) und Jochen Hanz (SG Neukölln) die ausgelobte Prämie für ihre Leistungen über 200m Freistil (1:56,81 min.) bzw. 200m Lagen (2:09,32 min.). In der Gesamtwertung siegte der BSV Medizin Marzahn mit 606 Punkten vor dem Titelverteidiger SG Neukölln (510 Punkte) und den Gastgebern von der SG Steglitz (367 Punkte). Enttäuschung gab es über diesen dritten Platz bei den Steglitzern aber nicht. Seit Gründung der Schwimmgemeinschaft vor fünf Jahren konzentriert man sich vor allem auf die Nachwuchsarbeit. Hochqualifizierte Trainer sorgen in den einzelnen Altersgruppen für ein altersgerechtes Training. Alle sind sich jedoch im klaren, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die kontinuierliche Aufbauarbeit zu einer starken ersten Mannschaft führt. Aber es gibt etliche Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist. Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der weiblichen D-Jugend belegte die SG Steglitz im vergangenen Herbst beim Bundesfinale in Essen den dritten Platz, nachdem sie vorher beim Landesent-scheid die Berliner Konkurrenz deutlich hinter sich gelassen hatte. Außerdem herauszuheben sind die zwei 2. Plätze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1999 durch Jenny Hennig (Jg. 86) auf den Schmetterlings-strecken. Und auch beim Lochner Cup schnitten viele junge Talente sehr gut ab. Hervor-zuheben sind hierbei Till Dreßler (Jahrgang 90), der gleich sechs Goldmedaillen mit nach Hause nahm, Sarah Chahed (Jg. 88) und Jenny Hennig (Jg. 86) mit jeweils drei Siegen sowie Nadja Chahed (Jg. 88) und Domenic Degner (Jg. 87) mit je zwei Siegen. Vereinzelt waren die Verantwortlichen der SG Steglitz im Vorfeld gefragt worden, ob sie ihr Schwimmfest nicht in die schöne neue Schwimmhalle an der Landsberger Allee im Prenzlauer Berg verlegen wollen. „Aber das war für uns gar keine Frage“, meint Jörg Runkel, Trainer einer Nachwuchsmannschaft und Initiator sowie Organisator des Volvo Lochner Cups, „unser Wettkampf lebt von der Atmosphäre der Schwimmhalle in Lichterfelde. Es ist zwar bisweilen ein wenig eng, aber gerade das macht die besondere Kulisse aus“. Was er damit meinte, konnten diejenigen erleben, die Sonntagmittag in der Halle waren, als die große 8 mal 100m Lagenstaffel ins Wasser ging: Ohrenbetäubende Anfeuerungsrufe verwandelten die Halle in einen Hexenkessel. Großartige Stimmung als die Mannschaft des BSV Medizin Marzahn in 9:19,46 min. als erste anschlug. Die SG Steglitz wurde sechster. „Wir waren halt gute Gastgeber“, so ein Aktiver, „aber im kommenden Jahr wollen wir trotzdem weiter vorne mitschwimmen“. Doch nicht nur der sportliche Aspekt macht den Reiz der Veranstaltung aus. Auch drum herum wird für alle etwas geboten. So können sich die Aktiven bei Bastelarbeiten mit der Schwimmjugend des Berliner Schwimm-Verbandes die Zeit zwischen ihren Starts angenehm gestalten. Ebenso wird immer wieder für die Gaumenfreuden der Schwimmer und Zuschauer gesorgt. Selbstgebackene Kuchen, heiße Waffeln, Würstchen und Bouletten vom Grill gehören zum gerngesehenen Angebot bei diesem Schwimmfest. Und so hoffen die Organisatoren des Schwimmfestes, dass am letzten Märzwochenende im nächsten Jahr, zum 5. Volvo Lochner Cup, es wieder schwer wird, in der Umgebung der Schwimmhalle einen Parkplatz zu finden. Jörg Runkel |