Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Dezember:
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Leben, Lachen, Lernen
50 Jahre Pastor Braune Haus
Seit 35 Jahren in Lankwitz - Große Feier am 14. Dezember
| ... | Das Pastor-Braune-Haus feiert Geburtstag: Seit 50 Jahren gibt
es das Wohnheim für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger
und mehrfacher Behinderung, zunächst in Wannsee, seit 35 Jahren In
den neuen Gärten 26-28 in Lankwitz. Am 14. Dezember wird das Jubiläum
gebührend gefeiert: Um 15 Uhr findet ein Festgottesdienst in der ev.
Dorfkirchengemeinde Alt-Lankwitz statt, ab 16 Uhr beginnen die Feierlichkeiten
im Pastor Braune Haus. Alle Freunde des Hauses, alle Steglitzer Mitbürgerinnen
und Mitbürger sind herzlich eingeladen, den Geburtstag mitzufeiern
und das Haus einmal von Innen kennen zu lernen. Viele Attraktionen werden
dargeboten: ein Weihnachtsmarkt mit Weihnachtsmann und Elfen, mehrere Stände
mit Basteleien und Weih-nachtssträuße, Theateraufführung
von Kubus e.V., musikalische Aufführungen mit Bläserchor und
Jugendorchester, ab 18 Uhr eröffnet eine Disco. Im Innern des Hauses
erwartet die Besucher eine große Fotoausstellung, eine Multi-Media-Show,
eine Führung über zwei Wohngruppen steht ebenfalls auf dem Programm.
Ein Schminkstand, Riesenseifenblasen und ein Glücksrad gehören
ebenso zum Programm wie eine umfangreiche und der Jahreszeit angepasste
Verköstigung der zahlreich erwarteten Besucher.
Das Pastor-Braune-Haus liegt in einer verkehrsberuhigten Nebenstraße in einem Wohngebiet mit guter, intakter Infrastruktur. In seiner Konzeption ist es einmalig in Steglitz und das größte Wohnheim in Berlin für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger und mehrfacher Behinderung. 90 stationäre Plätze in elf geschlechtsgemischten Wohngruppen stehen zur Verfügung. Die Wohngruppen sind verschieden - zum Teil rollstuhlgerecht - ausgestattet, es gibt getrennte Wohn- und Essbereiche, eigene, kleine Gruppenküchen. Michael Schlüter, seit 1996 Heimleiter im Pastor-Braune-Haus, berichtet: "Wir haben guten Kontakt zu den Eltern und Freunden unserer Bewohner. Sie sind an einem Weiterkommen ihrer Kinder sehr interessiert und unterstützen unsere Arbeit auch durch einen gewählten Elternbeirat. Die Nachbarn kennen unsere Kinder und verhalten sich ihnen gegenüber stets freundlich. Von unserer Kirchengemeinde sind wir auf- und angenommen. Die Kinder besuchen den Kindergottesdienst und werden auch in der "Alten Dorfkirche" konfirmiert. Unser gemischter Chor - Kinder und Mitarbeiter - arbeitet eng mit dem Chor der Dorfgemeinde zusammen. Je nach den Möglichkeiten sind einzelne Kinder im Miniclub, im Gitarrenunterricht, bei den Pfadfindern oder besuchen die Integrationsgruppen "Jugend im Museum".Die Nachbarn kennen wir persönlich, es gibt keinen Streit miteinander. Wir sind akzeptiert, Kontakte zu Jugendlichen existieren in der Nachbarschaft und über die Schule." Das Leistungsangebot umfasst die Erziehung, Betreuung und Förderung unter dem Motto: Leben, Lachen und Lernen. Dazu gehören individuelle, bedarfsorientierte Hilfe, regelmäßige Förder- und Entwicklungsplanung, ärztliche und psychologische Versorgung, psychologische Therapie und Elternarbeit. Grundsätzlich werden Kinder vom 2. bis 14. Lebensjahr mit geistiger oder mit schwerst- bzw. mehrfacher Behinderung und Kinder vom 2. Lebensjahr und Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr mit geistiger Behinderung aufgenommen. Das Ziel ist, die Kinder in den gesellschaftlichen Alltag zu integrieren. Dazu zählen Lebensfreude und Zufriedenheit, Selbstbewusstsein und Selbst-ständigkeit, soziale Kontakte und Bindungen, Mobilität und Orientierung im Lebensraum, schulische und berufliche Bildung, aktive Freizeit- und Interessengestaltung und der Zugang zu neuen Lebensräumen. Im Pastor-Braune-Haus gibt es geschlechtergemischte Wohngruppen. Die familiärer Bindungen sollen erhalten bzw. soziale Kontakte im Wohnumfeld aufgebaut werden. Die Selbstbestimmtheit der Kinder und Jugendlichen soll ermöglicht werden. Dazu werden Ziele und Hilfen regelmäßig abgestimmt. Das Betreuungspersonal besteht aus qualifizierten Fachkräften, die in multiprofessionellen Teams arbeiten. Die Arbeitszeit wird bedarfsorientiert gesteuert, das Team ist an Entscheidungen beteiligt, nutzt Fortbildung und erhält Super-vision. Die Abstimmung der Arbeit und der Ziele erfolgt in Teamsitzungen und über Leitungskonferenzen. Die Einweihung des Hauses in Lankwitz erfolgte am 25. Februar 1966 durch Bischof Dibelius, welcher dem Haus den Namen "Pastor Braune Haus" gab. Paul Braune trat in der Zeit des Nationalsozialismus für das bedrohte Leben von behinderten Menschen ein. 1970/1971 wurde ein Mitarbeiterhaus mit drei Wohnungen und zwölf Appartements angebaut. 1972 / 1973 konnte der Therapieanbau und der Schulerweiterungsbau vollzogen werden. Träger ist das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) mit Sitz in Berlin-Lichterfelde. Es kann auf eine fast 106jährige Erfahrung zurückblicken und betreibt heute über 40 Einrichtungen mit rund 1.800 Mitarbeitern in Berlin, Brandenburg, Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen.. |