Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Juli / August:
| ... | Wo steht die Lokale Agenda im Bezirk?
Auf diese Frage könnte man viele Antworten geben. Doch konkret auf die Frage bezogen gibt es nur eine: Nirgends! Auch 8 Jahre nach der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro existiert für Steglitz kein lokales Aktionsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung auf ökologischem, ökonomischem und sozialem Gebiet. Woran liegt’s? Diese Frage ist schon schwerer zu beantworten: Ganz seiner Schlüsselfunktion bei der Durchsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 21 entsprechend hat das Bezirksamt im Jahre 1995 zu einem Bürgergespräch eingeladen. Im Verlauf des Gesprächs wurden erste Vorschläge zur Erarbeitung einer lokalen Agenda erzielt und ein Maßnahmenkatalog zu den Fragen der Reduzierung des CO2-Ausstoßes, der Energieeinsparung, der Verwendung regenerativer Energien und der Abfallvermeidung erstellt. Der 29seitige Maßnahmenkatalog, ausgearbeitet vom Arbeitskreis namens Steglitzer Agenda 21 und dessen Arbeitsgruppen, liegt seit Dezember 1999 der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor. Der Weg dorthin war lang und beschwerlich, galt es doch alle Meinungen, Vorschläge und Pläne zu diskutieren und in einem Papier zu vereinen. Doch das Wissen um die Lokale Agenda und deren Akzeptanz ist noch sehr gering. Zur Erhöhung der Akzeptanz benötigt die Agenda einen höheren Stellenwert im Bezirk. Die ehrenamtliche Arbeit der vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger muß viel mehr als bisher beachtet und gefördert werden, indem deren Vorschläge von den für die Entwicklung im Bezirk Verantwortlichen auch ernst genommen werden. Seit Februar 2000 werden anhand des Maßnahmenkatalogs die Themenbereiche Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeinsparungen im Ausschuss für Umwelt der BVV diskutiert. Aus meiner Sicht erscheint es wichtig, die Agenda in den Produkten der Verwaltung zu verankern, um auf der kommunalen Ebene nachhaltige Entwicklung zu fördern. Nachhaltige Entwicklung wird als jene Form der nachhaltigen ökonomischen ökologischen und sozialen Entwicklung bestimmt, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können. Das soll nichts anderes heißen als: Es muß gewährleistet sein, dass die gegenwärtigen Generationen weder auf Kosten der Natur noch auf Kosten anderer Menschen und künftiger Generationen leben. In manchen Ämtern wird Nachhaltigkeit schon umgesetzt. Bei vielen Verwaltungsmitarbeitern jedoch stößt das Prinzip der Nachhaltigkeit auf Unverständnis, gar auf Ablehnung -vermutlich meistens aus Ängsten gegenüber etwas Neuem heraus geboren. Dabei ist es nicht unbedingt etwas Neues, was wir uns da aneignen müssen: Bei unseren Vorfahren und auch bei den Naturvölkern war und ist der rücksichtsvolle Umgang mit den Mitgeschöpfen und der uns umgebenden Welt weitaus selbstverständlicher als uns sog. zivilisierten Völkern. In unserer modernen Gesellschaft, also bei uns Bürgern, muß eine Änderung des Nutzerverhaltens eintreten, um die derzeitige zerstörerische Entwicklung aufzuhalten. Die Aussicht in Steglitz, auch im künftigen Fusionsbezirk, eine Lokale Agenda 21 zu erhalten, ist gering, solange der Nachhaltigkeitsgedanke nicht auch in die politische Willensbildung einfließt. Und gerade deshalb darf die vielfältige Arbeit aller engagierten Bürgerinnen und Bürger nicht aufhören, sondern muß verstärkt weitergehen - denn sie bewirkt Schritt für Schritt eine Änderung unseres Bewußtseins und damit unseres Nutzerverhaltens. Die Arbeitsgruppen zur Steglitzer Agenda 21 sind offen für neue Ideen, Vorschläge, Aktionen und Projekte im Sinne der Nachhaltigkeit, daher lade ich alle herzlich ein zur Mitarbeit. Informationen erhalten Interessierte unter Tel. 7904-3991 oder im Agenda-Büro in der Schloßstraße 80 (Kreisel), Raum 1929. Anna Kraus |