Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Juli / August:
 

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Alkohol und Rückfall
Eine Serie der Guttempler-Gemeinschaft Steglitz

Die Alkoholeinnahme nach einer Zeit der bewussten Enthaltsamkeit vom Alkohol nennt man Rückfall. Es soll hier kurz dargestellt werden, wie ein Rückfall zu beschreiben ist:

  • Rückfall = vorsätzlicher bewusster Verzehr eines Suchtmittels nach längerer Abstinenz
  • Rückfall = unbeabsichtigter Verzehr eines Suchtmittels; der Rückfällige stellt dies zwar fest, nimmt das Suchtmittel aber wegen der Wirkung weiter zu sich
  • Nach der Aufnahme des Suchtmittels entsteht das Verlangen nach Mehr, dem der Suchtkranke nachgibt.

Zwei weitere Punkte kommen zuweilen hinzu:

  • Rückfall = bewusster Genuss des Suchtmittels der Wirkung wegen
  • Der „geistige“ Rückfall ist die Ablehnung oder die nicht überzeugte und verinnerlichte Annahme der alkoholfreien Lebensweise.

Wie kommt es zum Rückfall?

Schon lange vor dem tatsächlichen Rückfall kommt es im Denken des Suchtkranken dazu. Einzelheiten des Berufslebens, des Sozialen und aus dem mitmenschlichen Bereich beeinflussen uns. Sie stellen die Weichen für ein Leben mit oder ohne Alkohol. Alkoholismus ist anerkanntermaßen eine Krankheit; in erster Linie wohl eine seelische Krankheit. Diese Krankheit ist häufig das Anzeichen für eine verminderte seelische Belastbarkeit. Es müssen aber noch andere Dinge hinzukommen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass jemand, der viele Jahre alkoholabstinent gelebt hat, unter Umständen schon nach geringer Alkoholmenge damit rechnen muss, so tief wie in den schlimmsten Zeiten seines Alkoholmissbrauchs in den Problemen wieder drinzustecken. Dies lässt sich nur mit Teilbereichen der Genetik oder der Biochemie (dem Stoffwechsel) erklären.

Es kann Jahre dauern, bis jemand durch den Alkoholmissbrauch alkoholkrank wird, aber schon nach wenigen Tagen wird man wieder rückfällig. Eine einzige Cognacbohne kann der Beginn für einen Rückfall in schwerste Phasen des Alkoholismus sein. Es ist inzwischen gefestigte Erkenntnis, dass die totale Abstinenz der einzig mögliche Weg für den Alkoholkranken ist, wenn er den Stillstand seiner Krankheit erreichen will. Alles andere ist Selbstbetrug. Anzeichen für den Rückfall sind Unsicherheit, mehrfaches unentschuldigtes Fernbleiben von der Gruppe, Annahme alter Verhaltensweisen, Unaufrichtigkeit, Freizeit nicht mehr sinnvoll ausgestalten, Gelassenheit und Zufriedenheit nehmen ab. Wichtig ist dann die Hilfemöglichkeiten der Gruppe für den Rückfälligen: er muss jetzt das Zusammenstehen der Gruppe merken. Dies geschieht durch Einzelgespräche, Gespräche in der Gruppe, Mut machen für den Rückfälligen. Die Gruppe bietet Hilfe an und macht keine Vorwürfe. Die helfen sowieso nicht weiter. Vorbeugende Maßnahmen können Gespräche zum Thema sein; man muss den Rückfall als mögliche Realität und nicht als Drohung ansehen. Man muss sich mit den vor dem Rückfall liegenden Gefahren beschäftigen und so dagegen eher gewappnet sein. Das Überwinden des Rückfalls kann der Neubeginn in eine dann bewusste alkoholfreie Lebensweise sein.

Auch zu diesem Thema erhalten Sie Informationen jeden Montag in der Guttempler-Gemeinschaft Steglitz ab 19.00 Uhr im Nachbarschaftsheim Lankwitz, Hindenburgdamm 28 (Gutshaus Lichterfelde) - Tel. 844 10 474.

Klaus R.C.Ciesielski, Günther Przykop


zurück | letzte Änderung: 11. Juli 2000, webmaster