Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Juli / August:
 

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Plüppern
und
Plip-Plup-Plop-Plip-Plop
in der Luft

Verein zum Schutz bedrohter Säugetierarten e.V. „Vespertilio“ beim Tag der offenen Tür im Tierheim Lankwitz

Ein Bericht von Christof Ehrentraut

Genüsslich schmatzend verzehrte die kleine Fledermaus vor den Augen des überwiegend jungen Publikums einen Mehlwurm. Martin Lehnert, Diplom-Biologe und erster Vorsitzender des Vereins zum Schutz bedrohter Säugetierarten e.V. „Vespertilio“, war am vergangenen Sonntag mit einem Informationsstand Gast beim Tag der offenen Tür im Tierheim Lankwitz.

Im Vergleich zu den übrigen Ständen der Veranstaltung, welche Themen wie Massentierhaltung, Tierversuche und Viehtransporte behandelten, ging es am Vespertilio-Stand regelrecht fröhlich zu. Publikumsmagnet waren drei zahme Fledermäuse, die bei den Tierschützern abgegeben und von diesen aufgezogen wurden.

Zur Freude zahlreicher Kinder ließen sich die mitgebrachte Breitflügelfledermaus und die beiden Zwergfledermäuse von ihnen anfassen und verputzten, am Finger ihres Betreuers hängend, einen Wurm nach dem anderen.

Mehlwürmer sind zwar nicht die typische Nahrungsquelle der hierzulande vorkommenden Fledermausarten, eignen sich jedoch gut zur Aufzucht von Fundtieren. In der Natur ernähren sie sich ausschließlich von den unterschiedlichsten Insekten, erklärte Lehnert, der so mit dem Vorurteil der blutsaugenden Fledermaus aufräumte. Ihre Nahrung finden die nachtaktiven Jäger mit Hilfe von Ultraschallwellen, die von Insekten reflektiert und von der Fledermaus geortet werden können. „Die sehen mit den Ohren“, so veranschaulichte der Fledermauskundler seinen Zuhörern das Wahrnehmungsprinzip der nützlichen Flugsäugetiere. Ultraschall verwenden sie deswegen, weil kurzwellige, hochfrequente Signale besonders gut von kleinen Gegenständen, wie zum Beispiel Insekten, reflektiert werden können. „Das ist Physik“, erklärte der Diplom-Biologe seinem interessierten Publikum. Um die von der Fledermaus ausgesendeten Signale für den Menschen hörbar zu machen, benutzen die Tierschützer einen Detektor. Mit diesem Gerät werden die Ultraschallwellen in ein für den Menschen wahrnehmbares Signal umgewandelt. Die Fledermausfreunde können dann anhand der charakteristischen Geräusche der Tiere auf die jeweilige Art schließen.

So würde zum Beispiel die Zwergfledermaus ein schnelles „Plüppern“, das große Mausohr ein schnelles „Tick-Tick-Tick“ und die Breitflügelfledermaus in schneller Folge ein „Plip-Plup-Plop-Plip-Plop“ erzeugen.

Lehnert ist einer der sieben Gründungsmitglieder des Vereins, der seit Juni 1997 besteht. Anlaß war damals die Organisation der ersten „Europäischen Nacht der Fledermäuse“. Inzwischen zählt der Verein 35 Mitglieder und bereitet sich auf das 4. Fledermausfest auf der Zitadelle Spandau vor.

Der Fledermausschutz ist nach Aussage von Lehnert heute besonders wichtig. Umfangreiche Fassadenrenovierungen haben in der vergangenen Zeit zahlreiche Überwinterungsmöglichkeiten der kleinen Flugkünstler zerstört. Es sei daher wichtig, schon bei Beginn von Baumaßnahmen darauf zu achten, dass solche Räume erhalten blieben. Sind dennoch zu wenige Spalten und Schlupflöcher vorhanden, können sogenannte Fledermausbretter an Hauswänden angebracht werden, die den Tieren ein neues Quartier geben. Interessierte können solche Notunterkünfte bei Vespertilio in der Klingsorstraße 27 in 12167 Berlin zum Preis von 27 Mark beziehen. Wer Fledermäuse bei ihrer Suche nach dem geeigneten Winterquartier beobachten möchte, kann von Mitte August bis Oktober an speziellen Führungen durch die Gewölbe der Zitadelle Spandau teilnehmen.

Beim Vespertilio e.V. können auch Patenschaften für Fledermäuse übernommen werden, die nicht nur finanzieller Natur sein müssen. Nach entsprechender Einweisung durch die Fachleute darf dann auch selbst zum Mehlwurm gegriffen werden.


zurück | letzte Änderung: 11. Juli 2000, webmaster