
Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Juni:
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Auszugsweiser Vorabdruck: Menschen und Häuser des Steglitzer Fichtenbergs von Andreas Grothusen. Dieses Buch erscheint demnächst; Vorbestellungen sind willkommen.
Seine ISBN lautet: 3-926578-39-4, der Ladenpreis wird zwischen DM 19,80
und 24,80 liegen. 4. Teil: Das Haus Schmidt-Ott-Straße 15 steht unter Denkmalschutz; aber es konnte sich nicht gegen den Anbau des plumpen Nachbarhauses zur Wehr setzen. Das Opfer ist eine raffinierte, kleine Kostbarkeit. Der Architekt Erich Richter hat es 1932 für seine Familie und sich gebaut. Dieses Haus gibt seine Schönheiten nicht auf den ersten Blick preis. Es zeigt sich nach außen streng, anspruchslos, fast karg. Heute sind die Ziegel weiß geschlämmt; bei Richter waren sie glatt geputzt. Nach außen verbirgt es eigentlich seinen besonderen Reiz. Der wird erst deutlich, wenn man durch den vorzüglich entworfenen Hauseingang tritt und das Treppenhaus, vor allem das Geländer entdeckt. Man steigt ein Stockwerk auf dieser delikat geschwungenen, unvergleichlich fein ausgeführten Wendeltreppe empor und befindet sich zur Straßenseite hin im Obergeschoß - wo sonst - und zum Garten hin zu ebener Erde. Man kann auch denken, der Garten sei im ersten Stock - man schaut sich um und muß sich orientieren. Richter hat die vorgegebene Hanglage seines Hauses meisterlich genutzt und architektonisch noch gesteigert. Die Räume sind fast ausnahmslos klein, fein abgemessen und eigentlich asketisch. Echtes Bauhaus. Hier lebte und arbeitete der bedeutende Architekt, hier wohnte seine Tochter, die berühmt gewordene Schauspielerin Rotraut Richter, die viel zu früh gestorben ist. Hier verbrachte er die vielen, vielen Jahre danach, immer einsamer werdend, und starb hochbetagt. Dann wechselte die Stimmung. Bully Buhlan, der Schlagerstar der fünfziger Jahre, zog ein mit Frau, Schwiegermutter, Pudel und Porsche. Die Filmwelt jener Tage ging dort ein und aus. Trauben von „Backfischen“, oder sagte man damals schon „Teenager“, umstanden täglich das kleine Gartengitter. Und bisweilen erschien der Schwarm auf dem winzigen „Austritt“ im Obergeschoß und sang a capella seine Erfolge. Sein Silvesterfeuerwerk war das schönste auf dem Fichtenberg. Irgendwann zog er aus. Und als er nach vielen Jahren erfuhr, sein Haus werde wieder zum Verkauf angeboten, wollte er es sofort erwerben. Inzwischen war es aber unerschwinglich geworden für ihn. Unvergessene Fünfziger. Es lag damals wirklich „was in der Luft“. Fortsetzung folgt |