Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Oktober:



 
 

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DIE DORT DROBEN
7. und letzter Teil:



Dieses Buch ist am heutigen Tag erschienen. Es kostet DM 19,80, hat 120 Seiten und beinhaltet 55 Bilder.
 
 

Das Patenkind von Franz Liszt





Die ersten Villen auf dem Fichtenberg stehen noch in der Biedermeier - Tradition. Sie scheinen aus verschiedenen Baukörpern zusammengesetzt zu sein und haben keine repräsentative Fassade.

Das Haus Lepsiusstraße 86, damals Fichtestraße 26, ist zu einer Zeit gebaut, als jenseits der Dahlemer Chaussee (Grunewaldstraße) noch Kornfelder wogten.

Zeitweilig war dort das "Café Wartburg".

Der Erbauer hat auch im Jahre 1872 das Haus Nr. 88, früher Fichtestraße 27, für seine Tochter und seinen Schwiegersohn errichten lassen. Schon 1876 bezogen Dr. Bernstein und seine Gattin eine Etage der Villa. Später erwarb er das ganze Haus.

Bernstein war ein wohlhabender und wohltätiger Privatgelehrter, der nach seinem Studium in Heidelberg und seiner Militärzeit bei den exklusiven Bonner Königshusaren nach Italien gegangen war und unter Garibaldi gekämpft hatte.

Dort plante er die Gründung einer Schule, die den Namen Garibaldis tragen sollte, was auch von Garibaldi selbst lebhaft befürwortet wurde. Aber dieser Plan zerschlug sich. Bernstein unternahm ausgedehnte Reisen, erlernte sieben Sprachen, heiratete eine Konzertpianistin, die aus der Musikerfamilie Nabich stammte und übrigens Patenkind Franz Liszts und der Gräfin Wittgenstein gewesen ist, und zog mit ihr in das Haus auf dem damals noch fast unbebauten Fichtenberg.

Die originale Fassade ist beim Beheben der starken Kriegsschäden und dem damit verbundenen Umbau durch eine gesichtslose ersetzt worden.

Das Nachbarhaus links, Nr. 90, stammt ebenfalls aus den früheren Jahren des Villengebietes. Leider ist das spätbiedermeierliche Aussehen verschwunden.

Am Fuße des Fichtenbergs, Ecke Rothenburgstraße, liegt etwas oberhalb eines verträumten, wuchernden Gartens das Haus Schmidt-Ott-Straße 21.

Es ist zwar inzwischen renovierungsbedürftig, strahlt aber in seiner Originalität  unendlich viel von der Zeit, in der es erbaut ist, aus. Mancher Zierrat wie zwei Metopen, den Morgen und den Abend symbolisierend, sind abgefallen, aber die Atmosphäre des alten Fichtenbergs kann man hier deutlich spüren, besonders wenn in Sommernächten die seltene Nachtigall singt.


zurück | letzte Änderung: 04. Oktober 2000, webmaster