Zeitungen des Jahres 2000, Ausgabe Oktober:



 

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Alkoholismus -
Eine Familienkrankheit (2. Teil)

 


Zuletzt haben wir Hinweise für Alkoholabhängige gegeben; wir wollen heute für die Angehörigen Möglichkeiten der Hilfe aufzeigen. Es wird auch darum gehen, die Verantwortlichkeit der direkten Umwelt der Co-Alkoholiker aufzuzeigen.

Als Erstes wird vieles an Information über die Alkoholkrankheit zu vermitteln sein. Es wird dadurch bewusst, wie es um den Partner/die Partnerin steht und warum er/sie sich so entwickelt hat, wie es sich jetzt darstellt.

Informationen dieser Art werden in vielen Gesprächen aber auch in Seminaren für Angehörige weitergegeben.

Es ist wichtig, dass im Verlauf der Zeit auch für den Angehörigen etwas getan wird. Die Zeit des Trinkens des Alkoholabhängigen hat ja nicht nur ihn selbst, sondern auch die Partnerschaft tief beeinflusst. Die seelischen Folgen für die Angehörigen und die Angst, dass sich alles wiederholt, sind auch in Zeiten noch vorhanden und spürbar, in denen der Alkoholkranke schon wieder alkoholfrei zu leben versucht. Das vorhandene Misstrauen ist im Laufe der Zeit abzubauen. Der Angehörige sollte erkennen, dass er mit seinem Zuspruch und durch seine Zustimmung und Anerkennung des alkoholfreien Lebens des Alkoholabhängigen und eigenes Mittun auch positive Verstärkungen erreicht.

Es gibt einen sehr wichtigen Unterschied in der Entwicklung zwischen Abhängigigem und Angehörigen in der Zeit, in der die Entscheidung über das alkoholfreie Leben bereits getroffen wurde:

Der  Alkoholkranke beginnt sich zu erholen, sobald die Überreste des Alkohols aus dem Körper entfernt sind. Die körperlichen und seelischen Folgen des Angehörigen bauen sich erst viel später ab.

Das Problem ist also längst noch nicht gelöst, wenn der Alkoholabhängige schon aufgehört hat zu trinken. Wichtig ist auch, dass der Angehörige den Alkoholkranken auch im übertragenen Sinne loslässt. Damit lässt er überhaupt erst zu, dass der Alkoholiker abstinent wird. Damit ist er dann natürlich nicht mehr so "pflegeleicht", wie vorher. 

Die Bedeutung der Co-Alkoholiker zumeist zum vermeintlichen Schutz des Alkoholikers zeigt sich vor allem darin, dass sie unter anderem versuchen, Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs gegenüber der Umwelt  zu verdrängen.

Sie vertuschen die Situation, sie lügen und vielfach nur, um kein schlechtes Bild auf die Familie fallen zu lassen. Kollegen, Arbeitgeber und Freunde / Bekannte  sorgen mit ihrer vermeintlichen "Rücksichtnahme" dafür, dass der Abhängige ohne erhebliche Störungen weitertrinken kann.

Wenn rundherum alle dafür sorgen, dass nichts herauskommt, ergibt sich für ihn überhaupt keine Notwendigkeit, mit dem ekzessiven Trinken aufzuhören. Angehörige sorgen also dafür, dass der Alkoholkranke auch weiterhin in seiner Sucht gefangen bleibt.

Erst wenn "angedrohte" Konsequenzen auch eingehalten werden, wird die Notwendigkeit der Umkehr gesehen.

Wenn ihm die Frau 35 mal die Scheidung und der Chef die Kündigung 20 mal androht und sie dies nicht wahr machen, dann werden sie vom Alkoholabhängigen nicht mehr Ernst genommen und er  wird keinen Grund sehen, mit dem Trinken aufzuhören.

Man muss als Co-Alkoholiker sehr genau darauf achten, dass nur die Situation, in der sich der Alkoholkranke durch seine direkte Umwelt gedrängt fühlt, dazu führt, den Start in das alkoholfreie Leben zu wagen.

Auch Angehörige müssen und werden ihm dabei helfen. Der nächste Artikel wird die Auswirkungen des Alkoholismus auf die Kinder aufzeigen.  
  
Auch zu diesem Thema erhalten Sie Informationen jeden Montag in der Guttempler-Gemeinschaft Steglitz ab 19.00 Uhr

im Nachbarschaftsverein Lankwitz
Gutshaus Lichterfelde
Hindenburgdamm 28
Tel. 844 10 474.

Klaus R.C.Ciesielski


zurück | letzte Änderung: 04. Oktober 2000, webmaster