Zeitungen des Jahres 2001, Ausgabe April:


... Bin ich Aussenseiter, weil ich abstinent lebe?

Diese Frage ist immer wieder aufgetaucht und in den Guttempler-Gemeinschaften wird sie auch immer wieder diskutiert. Es gab auch in der Gemeinschaft Steglitz dazu immer wieder Gespräche und im Folgenden soll es eine Aussage geben, die dazu gemacht wurde: 

"Bin ich Aussenseiter, weil ich abstinent lebe? Wir alle halten uns gern für intelligente, überlegene Wesen, die ihren Lebensweg selbst bestimmen. Aber in Wirklichkeit sind etwa 99% unseres Lebens vorgezeichnet. Wir sind das Produkt der Gesellschaft, in der wir aufwachsen. Sie legt fest, welche Kleidung wir tragen, in welchen Häusern wir wohnen, welche Nahrung wir bevorzugen, unsere grundlegenden Verhaltensmuster, sogar die, in denen wir uns gern unterscheiden, z.B. ob wir politisch eher konservativ oder eher liberal eingestellt sind. Das alles ist kein Zufall, sondern hat viel damit zu tun, aus welcher Gesellschaftsschicht wir stammen. Das Unterbewusste übt einen äußerst wichtigen Einfluss auf uns aus.  

Aus diesem Spiel des Lebens heraus - meiner "SUCHE" - meiner SUCHT - meiner ILLUSION - der Droge Alkohol - der raffinierten Alkoholfalle - bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ICH als abstinent Lebender "normal" bin und der Alkoholtrinkende ist Aussenseiter. Die ganze Trinkerei lässt sich mit einer Fliege vergleichen, die in den Blütenkelch einer fleischfressenden Pflanze geraten ist. Anfangs trinkt die Fliege vom Nektar. Von einem unmerklichen Augenblick an beginnt die Pflanze, die Fliege zu fressen. Erkenntnis: Die Fliege muss ganz schnell aus der Pflanze herausklettern, sonst ...!?!

Nicht dem abstinent Lebenden fehlt etwas, sondern dem Trinkenden. Auch meine Überzeugung war einmal, gesellige Anlässe - und derer gab und gibt es viele - ohne Alkohol, sind keine! Ich war die Fliege, die langsam aber sicher immer weiter den Kelch hinabrutschte. Eine Täuschung und was für eine - Alkohol füllte keine Leere bei mir - der Alkohol schaffte sie erst. 

Es gibt absolut keinen Grund für mich, an meiner Entscheidung, abstinent zu leben, zu zweifeln, - denn was tat der Alkohol für mich? ... NICHTS...    NICHTS GUTES!!!
Ich bestrafte mich immer nur selbst. 

Also nicht ich, der abstinent Lebende, entbehre etwas und bin ein Aussenseiter, sondern im Gegenteil, der Alkoholabhängige, auch wenn es bei manchen Gelegenheiten so aussehen mag. 

Ihm fehlen nämlich:      
GESUNDHEIT , ENERGIE, GELD, SELBSTVERTRAUEN, INNERER FRIEDEN, MUT, GELASSENHEIT , FREIHEIT, SELBSTACHTUNG

Ich genieße es, abstinent zu leben und habe dadurch nur Vorteile. Für Mitmenschen, die es so nicht sehen wollen oder können, für diejenigen bin ich gern Aussenseiter."   
                                
Auch zu diesem Thema aber auch zu anderen Themen im Zusammenhang mit Alkohol und Alkoholmissbrauch erhalten Sie Informationen jeden Montag in der Guttempler-Gemeinschaft Steglitz ab 19.00 Uhr im Nachbarschaftsheim Lankwitz, Hindenburgdamm 28 (Gutshaus Lichterfelde) - Tel. 844 10 474. 

Günter Przykop
 


zurück | letzte Änderung: 02. April 2001, webmaster