Zeitungen des Jahres 2001, Ausgabe Oktober:


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Herr Wolfgang Friese vom Arbeitskreis Historisches Lankwitz erklärt den ersten Besuchern die Austellung im Rathaus Lankwitz


Bezirksbürgermeister Herbert Weber begrüsst die Gäste zur Ausstellungseröffnung. Herr Dr. Rüter liest eine Rede zur Geschichte des Stadtteils. Unter den Gästen die Bezirksstadträte Laschinski und Wöpke, sowie der ehem. Bürgermeister Friedrich.


Herr Friese erzählt lokale Geschichte, hier am praktischen Objekt - der Gießkanne - die in Lankwitz erfunden wurde.

"Der Vater von Lankwitz"

Am 26. Oktober um 11:00 Uhr eröffnete Bezirksbürgermeister Herbert Weber die Gedenkfeier für den ersten Bürgermeister von Berlin-Lankwitz, Dr. Rudolf Beyendorff (1876 - 1947) auf der Ausstellung über das 90 Jahre alte Rathaus Lankwitz in altem Rathaus Lankwitz in der Leonorenstraße 70 in Lankwitz.

Vor 125 Jahren wurde am 19.10.1876 der erste Lankwitzer Bürgermeister Dr. Rudolf Beyendorff geboren. Er gilt als Gründer der Gartenstadt Lankwitz. Durch seine Tätigkeit von 1908 bis 1919 wurde Lankwitz zu einem beliebten Berliner Vorort.

In Lankwitz organisierte er eine effiziente Verwaltung und veranlaßte nach Amtsantritt 1908 das Aufstellen eines Bebauungsplanes: Von einem großen Gemeindepark in Ortsmitte aus sollten Promenadenstraßen in alle Richtungen führen, Industrie sollte es nicht geben und die das Gemeindegebiet durchquerenden Bahnkörper sollten durch Grünanlagen verdeckt werden, um Rauch und Lärm von den Anwohnern fernzuhalten. Richtungsweisend wurde die Gründung die Lankwitzer Terrain- und Baugesellschaft. Die Gemeinde konnte Grundstücke erwerben, erschließen und an Siedler aus Berlin verkaufen. Um Steuern zu sparen, wurde ein Grunderwerb- und Parkfond eingerichtet. 1910 - 1912 wurde der Gemeindepark angelegt, ferner sind 1911 das Rathaus mit Post und Polizeirevier, 1913 - 1918 das Lyzeum (Beethoven-Oberschule) und 1913 der Bernkastler Platz mit einem Parkwohnhaus, der sogenannte Käseglocke, erbaut worden.


Rathaus Lankwitz mit Blick zum Bahnhof Lankwitz


Das Selbstbewußtsein von Lankwitz zeigte sich, als der Ort 1913 ein eigenes Wappen mit Löwe und drei Kornähren im Schilde annahm. Mit dem Einrichten eines Postamtes wohnten die Lankwitzer nun auch postalisch in Lankwitz und nicht mehr in Groß-Lichterfelde. Die Hauptstraßen wurden befestigt. Er gründete das Armen- und Waisenamt, Vorläufer des heutigen Sozialamtes. Rudolf Beyendorff bestimmte erstmals, daß die Tätigkeit von Frauen in der Verwaltung verwirklicht wurde. Das führte auch zur Anstellung einer Gemeindeschwester für die Hauspflege. Seine Frau Claire übernahm den ehrenamtlichen Vorsitz des im Jahre 1909 gegründeten Vereins für Kinderfürsorge und Krankenpflege und leitete das Säuglingsheim. Für die Jugend wurden 1910 eine Fortbildungsschule, 1911 eine Volksbücherei, eine Schulsparkasse und 1912 ein Jugendheim eingerichtet sowie ein Schularzt angestellt. "Er ging täglich durch unseren Ort, sonntags spazierte er mit seiner Familie durch den Gemeindepark, der seinen Namen trug", das berichten alte Lankwitzer von ihrem Bürgermeister. So kannte er seine Gemeinde, mancher Bedienstete und säumige Bürger wurden von ihm an ihre Pflichten erinnert. Im 1. Weltkrieg diente Rudolf Beyendorff als Landwehroffizier. 

Ein Arbeiter- und Soldatenrat enthob ihn 1918 seines Amtes. Lankwitz verlor seinen verdienstvollen Bürgermeister, der nun für eine Grundstücksgesellschaft in Berlin arbeitete. 1938 ging er nach Schmiedeberg in Schlesien. Nach dem Hitlerattentat am 20. Juli wurde er im August 1944 vorübergehend von der Gestapo verhaftet, seine Tochter Ruth Brugsch ebenfalls inhaftiert und erst 1945 befreit. Seine Verbindung zu dem Kreisauer Kreis hatten ihn verdächtig gemacht.

In Lankwitz nahm er nach dem Krieg Verbindung mit den Politikern der ersten Stunde auf, darunter mit dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Reichstags Paul Löbe, um seine kommunale und politische Erfahrung für den Neuaufbau einer zweiten deutschen Demokratie zur Verfügung zu stellen. Die Liberal - Demokratische Partei schlug ihn 1946 als Stadtrat für den Berliner Magistrat vor.

Rudolf Beyendorff starb am 2. Mai 1947 im 71. Lebensjahr in Berlin-Lankwitz. Sein Grabstein auf dem Parkfriedhof am Thuner Platz in Lichterfelde trägt zu Recht die Inschrift: " Der Vater von Lankwitz".

In diesem Jahr wird das Rathaus Lankwitz 90 Jahre alt. Als eines der schönsten Rathäuser Berlins wurde es 1911 im Stil der deutschen Renaissance am Bahnhof Lankwitz erbaut. Das 1943 schwer beschädigte Amtsgebäude beherbergt heute das Finanzamt Steglitz.


Rathaus Lankwitz


Wolfgang Friese
Telefon: 774 58 59

Ausstellung vom 26.10. bis 30.11.2001
Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch von 7 bis 14:30 Uhr, Donnerstag von 7 bis 18:00 Uhr und Freitag von 7 bis 14:00 Uhr

Arbeitskreis Historisches Lankwitz
Alt-Lankwitz 42, 12247 Berlin, Telefon: 774 59 49


zurück | letzte Änderung: 9. Oktober 2001, webmaster