Zeitungen des Jahres 2001, Ausgabe September:
 

... 25 Jahre  NHW e.V.

NHW (Nachbarschaft hilft Wohngemeinschaft)
ist seit 25 Jahren ein anerkannter freier Träger der Berliner Jugendhilfe. Ansässig in Steglitz, bietet NHW Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihren Familien leben können, Schutz, Obdach und Beratung. Individuell abgestimmte Lebensperspektiven werden im Betreuungs-prozeß gemeinsam entwickelt. Derzeit betreut NHW über 60 Kinder und Jugendliche in Wohn-gemeinschaften wie in Einzelwohnungen, in Wohngruppen mit innewohnenden Erziehe-rInnen wie im Familienverbund.
Im Mai 1998  eröffnete der Verein das Nachbarschaftscafe "Cafe Machbar" in der Johannes-Kirche als einen weiteren Versuch der Vernetzung im Stadtteil und der Einbindung von Ehrenamtlichen. In den folgenden Jahren führte NHW in dem ausrangierten Steglitzer Büchereibus das Projekt "Bus Stop" - mobile Jugendarbeit und Beratung in der Thermome-tersiedlung - durch und versuchte den Arbeits-bereich Ambulante Hilfen aufzubauen.

Geschichte:
25 Jahre NHW, das ist auch der Versuch, die programmatischen Schlagworte Ehrenamt und Nachbarschaft mit Leben zu füllen. Ausgehend von der Lichterfelder Johannes-Kirche fanden sich 1976 engagierte Gemeindeglieder zusammen, denen es nicht genügte, lediglich über soziale Mißstände zu "meckern", die vielmehr selbst aktiv werden wollten. Probleme von  Jugendlichen gab es schon 1976 nicht allein am Bahnhof Zoo, sondern auch direkt "vor der Haustür".  Verwurzelt in christlichen Werten der Nächstenliebe und der Achtung des Ande-ren, ging man mit der Gründung von NHW eine fruchtbare Verbindung mit jungen Sozialar-beiterInnen ein, die einen in der Tradition der Arbeiter-, wie auch der 68er-Bewegung stehenden Begriff der gesellschaftlichen Solidarität auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Linksliberales und christliches Weltbild vereinten sich in der Suche nach Alternativen zur klassischen Heim-erziehung .

Das Besondere:
Nicht Profis suchten sich Ehrenamtliche zur Unterstützung, sondern Ehrenamtliche haben sich Profis zur sozialpädagogischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen gesucht. Eine paritätische Mitbestimmung der verschiedenen Arbeitsbereiche und der Ehrenamtlichen in unterschiedlichsten NHW-Gremien verstand sich daher fast von selbst.
Im Zuge der NHW-Professionalisierung und diktiert von gestiegenen fachlich-administrativen Anforderungen bei enger werdenden finanziellen Spielräumen, hat sich das Schwergewicht inhaltlicher und programmatischer Arbeit nach und nach von den Ehrenamtlichen hin zu den Sozialpädagogen verlagert.

NHW heute:
Eingebettet in einen nachdenklich stimmenden allgemeinen Paradigmenwechsel: Weg vom So-zialstaatsgedanken hin zu einem neoliberalen Gesellschaftsverständnis, lebt der Verein den Spagat zwischen ehrenamtlichem, nachbarschaftlichem und demokratischem Engagement auf der einen und den Anforderungen des "sozialen Marktes" an eine effiziente, output-orientierte Organisationsstruktur auf der anderen Seite.  NHW versucht sich in der spannenden Kür, einen Jugendhilfeträger mit flexiblen Angeboten kostengünstig im Wettbewerb zu "positionieren", ohne dabei auf bewährte Standards fachlicher Arbeit zu verzichten und zugleich den ihn tragenden Wertekanon zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Klaus Herrmann
 


zurück | letzte Änderung: 21. August 2001, webmaster