Zeitungen des Jahres 2002, Ausgabe Juli:

Martha Härtell (1884-1969)
Tänzerin und "Muse" von Paul Lincke (Operettenkomponist), der in der Grunewaldstraße 22 in Steglitz lebte.

Therese Gunkel (1847 - 1923)
Gründerin der Höheren-Tochter-Schule, ab 1888 in der Grunewaldstraße 2, in Steglitz.

 

Weibliche Spuren in Steglitz

Grabsteine auf dem alten Steglitzer Matthäus-Friedhof gaben den Anstoß. Eher zufällig wurde Johanna Rödiger auf die Gräber der Frauen, mit den durchgängigen Sterbedaten April 1945, aufmerksam. Die Neugier, mehr über diese Frauen zu erfahren, lies sie nicht mehr los. Fündig wurde sie in den archivierten Kirchenbüchern der Matthäus-Gemeinde. Die wenigen Angaben, die dort u.a. über Todesursache und Hinterbliebene vermerkt sind, stimmten sie sehr nachdenklich. Und doch war es nur ein kleiner Einblick in das Schicksal dieser Frauen. Nachfolgende Recherchen dazu blieben leider erfolglos. Aber der „Virus“, wie sie scherzhaft äußert, hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon befallen. Sie beschloss, weitere weibliche Lebensgeschichten und auch andere weibliche Spuren im Bezirk zusammenzutragen.

Früher hat sie sich für Geschichte wenig interessiert. „In den Schulbüchern war doch eher die Männer-Geschichte zu lesen“, sagt sie. Seit über einem halben Jahr recherchiert Frau Rödiger für eine Ausstellung „Steglitz - weibliche Spuren - von 1850 bis 1990“, die vom 23. August bis Mitte November 2002 im Heimatmuseum in der Drakestraße 64 A in Lichterfelde zu sehen sein wird. 

Die Ausstellung widmet sich u.a. den berühmten Steglitzerinnen, die in Politik und Kultur über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt wurden, aber auch den eher leisen Spuren vieler Frauen, die in Steglitz, Lichterfelde oder Lankwitz geboren wurden, hier gewohnt oder gewirkt haben oder hier beigesetzt sind, sowie den Institutionen, z.B. Schulen, die speziell für Mädchen und Frauen im Laufe der Jahrzehnte existiert haben. Hierzu hat Frau Rödiger viel Material u.a. aus dem Archiv des Heimatvereins herausgesucht. Zeitweise kam ihr dabei im Archiv völlig das Zeitgefühl abhanden, der Vielfältigkeit weiblichen Wirkens auf der Spur. Mit viel Begeisterung und Energie - neben ihrer Berufstätigkeit - hat sie Berge von Dokumenten zusammengetragen, die sich in den nächsten Wochen zu einer Ausstellung formen sollen. 

So wird das biografische Material u.a. für eine Zeitachse geordnet, um es später in einen zeitgeschichtlichen Kontext stellen zu können. Die Orte weiblicher Spuren wird Frau Rödiger auf einer Bezirkskarte kennzeichnen. Wo werden sich wohl weibliche Spuren im Bezirk verdichten? Im Eingangsraum zur Ausstellung treffen die Besucher auf Werke der Steglitzer Künstlerinnen Hannes Petersen (verstorben), Eva-Maria Kappe (verstorben), Gerda Reimer (verstorben), Dietlind Paul und Gisela Kempe.

Die Ausstellung wird von einem „weiblichen“ Rahmenprogramm begleitet. Zur Ausstellungseröffnung am 23.8., 18 Uhr wird Frau Goldbach „Ausgesprochen weibliche“ Chansons vortragen. Am Sonntag, den 8.9. gibt Frau Boehden-Fiene den 1. Teil ihrer Salonlesung „Meine Hochachtung! Sie meisterten bravourös ihr Leben ...!“, am 13.10. liest Frau Ohlsen kleine Geschichten zum Schmunzeln und Nachdenken „Göre, Fräulein, Dame“, am 20.10. folgt der 2. Teil der Salonlesung mit Frau Boehden-Fiene und am 10.11. die Lesung von Fr. Brang „Portraits (un)bekannter Frauen“, jeweils Sonntags um 15:30 Uhr. Etwas aus dem weiblichen Rahmen fällt die Krimilesung von Hr. Scharfschwert „Gruseliges und Groteskes“ am 22.09.2002, 15:30 Uhr.

Öffnungszeiten:
Montag 16 bis 19 Uhr, Mittwoch 15 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum des Heimatverein Steglitz e.V., Drakestr. 64A, 12205 Berlin, Tel. 833 21 09.  Eröffnung am 23. August, 18:00 Uhr. Die Ausstellung läuft bis November 2002. Weitere Informationen hier.


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