Zeitungen des Jahres 2002, Ausgabe März


... 84 fleissige Hände

Eines der vielen Projekte des Stadtteilzentrums Steglitz e.V. trägt den Namen IdA, Integration durch Arbeit. Ich traf Unne, den Leiter des Projekts in der Lankwitzer IdA-Werkstatt. Seit etwa 4 Jahren gibt es dieses Projekt, das Lang-zeitarbeitslosen hilft, den Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden. Ein Jahr lang werden Sie im Stadtteilzentrum sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sie erledigen Arbeit im handwerklich-technischen Bereich und erhalten zusätzlich die Möglichkeit, an Seminaren und Kursen des Stadtteilzentrums oder der Volkshochschule teilzunehmen. Das Programm richtet sich nur an langjährige Sozialhilfeempfänger. Einige von ihnen waren ehemalige Selbständige, deren Firmen und Unternehmen in die Pleite gegangen sind, erzählt mir Unne, andere haben nach dem Scheitern einer Ehe zum Alkohol gegriffen - mit fatalen Folgen. Viele sind auch noch sehr jung, und haben den Start in die Arbeitswelt nach dem Abschluss der Schule nicht geschafft. Wieder andere sind Um- oder Übersiedler, die oft gut ausgebildet, in Deutschland keine Beschäftigung finden. 

Aus welchen Gründen auch immer Menschen in die Situation geraten sind, keine Arbeit mehr zu finden, soll hier keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass viele es selten schaffen, ohne Unterstützung diese Lebenssituation zu ändern. Genau an diesem Punkt kommt die IdA ins Spiel. Wie bei einer “normalen Arbeit”, müssen auch die Bewerber für die IdA- Stellen erst einmal zu einem Vorstellungsgespräch kommen. Beste Chancen haben Leute, die Motivation und einen festen Willen haben, sich wieder in die Arbeitswelt einzuleben., erklärt mir Unne und zeigt auf den Stapel mit Zuweisungsunterlagen. Nach einer Einstellung wird mit jedem ein „Integrationsgespräch“ geführt, bei dem ermittelt wird, wo der Betreffende steht, wo er hin will und was benötigt wird, um diese Ziele zu erreichen. Diese Gespräche werden im Verlauf der Zeit einige Male wiederholt. Die Arbeit der Teilnehmer gestaltet sich recht vielseitig: handwerklich-technische Arbeiten auf Baustellen oder als Maler, Rohrleger, Tischler und Gärtner für soziale und gemeinnützige Einrichtungen, wie die Kirche, freie Träger oder bezirkliche Einrichtungen wie Schulen und Kitas sind gefragt. Viele „Baustellen“ sind aufwendige Sanierungsfälle. Meist mehr als 10 Jahre wurde keinen Pfennig in den Unterhalt der Bausubstanz investiert. 

Der Zustand einiger Kitas ist mit dem der Berliner Straßen zu vergleichen. „Da gibt es reichlich zu tun“, meint Markus Binte, auch Anleiter im IdA-Projekt. „Für Privatleute wird jedoch nicht gearbeitet, und da werden keine Ausnahmen gemacht“, betont Binte. Neben den handwerklichen Fähigkeiten trainieren manche Kollegen Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen, die sie mit der Zeit verlernt haben. Dazu gehört das morgendliche Aufstehen, denn die Arbeit beginnt pünktlich um 8:00 Uhr. Sie müssen die komplette Arbeitszeit von 8 Stunden durchhalten und regelmäßig Wochen- und Monatszettel über die Inhalte ihrer Arbeit führen. Zusätzlich wird den Teilnehmern eine praktische Fortbildung in Form von Kursen und Seminaren geboten, zugeschnitten auf ihre persönlichen Bedürfnisse. Ein Jahr lang haben die Teilnehmer dieses feste Beschäftigungsverhältnis, an dessen Ende sie, wenn notwendig, anstatt Sozialhilfe Arbeitslosenhilfe in Anspruch nehmen, und zusätzlich auch an anderen Maßnahmen des Arbeitsamtes, wie Fort-, Weiterbildungen und Umschulungen teilnehmen können. 

Manchmal schaffen die IdA-Anleiter es auch, ihre Mitarbeiter direkt auf den 1. Arbeitsmarkt zu bringen, und in solchen Fällen kann man dann getrost von einem hundertprozentigen Erfolg sprechen. Leicht ist diese Arbeit mit Sicherheit nicht, und viel Kraft und Ergeiz muss in jeden Einzelnen gesteckt werden, der Teil dieser IdA Gruppe ist. Übrigens, auch Sie können den IdA-Mitarbeitern unter die Arme greifen. Das Projekt lebt auch durch Spenden von Werkzeug und Maschinen aller Art. Sollten sich also derartige Gegenstände, die Sie nicht mehr benötigen, in Ihrem Besitz befinden, so wären wir über eine Spende sehr erfreut.

von Hannah Irmisch


zurück | letzte Änderung: 1. März 2002, webmaster