
Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe November:
| Serie Ausbildungs- betriebe |
Was macht eigentlich ein Florist / eine Floristin? Jeder kennt sie. Die Floristen im Blumenladen nebenan. Wir kaufen Blumensträuße und -töpfe zum Geburtstag oder auch nur um uns selbst eine Freude zu machen. Für jeden Anlaß gibt es Gebinde und Gestecke, und gerade jetzt in der Zeit vor dem Totensonntag oder in der Vorweihnachtszeit ist für die Blumenhändler Hochkonjunktur. Zeit zum Ausruhen gibt es da nur selten. Und dennoch, für viele ist es ein Traumberuf. Pflanzen pflegen und versorgen, Blumen- und Pflanzenschmuck gestalten und das mit kreativen Ideen nach den Wünschen des Kunden. Vom einfachen Blumenstrauß über gebundene Kränze, Brautschmuck, Tisch- und Raumdekorationen. Dem Anlaß entsprechend müssen Blumen und Pflanzen ausgewählt und mit anderen Werkstoffen wie Kerzen, Bändern, und Zweigen zusammengestellt werden. Aber nicht nur die Kreativität macht den Beruf aus. Da müssen Preise berechnet, Kunden beraten, die Kasse bedient, der Warenbedarf ermittelt und Angebote eingeholt werden. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Voraussetzung ist ein Haupt- oder Realschulabschluß. Die Bewerber sollten vor allem einen Sinn für Formen und Farben sowie eine gewisse Fingerfertigkeit haben. Für Antje Grüneberg, die Inhaberin der Blumentruhe in der Leonorenstraße, ist es vor allem wichtig, daß die Bewerber Interesse für den Beruf und kreative Ideen mitbringen. Sie sollten ebenso gute Noten in den Fächern Mathematik, Biologie und Deutsch vorweisen können. Natürlich spielen auch in diesem Beruf Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Schnelligkeit eine große Rolle. Die Bewerber sollten sich auch darüber klar sein, daß der Beruf der Floristen auch weniger Angenehmes mit sich bringt. So ist es in den Blumenläden oft kalt, da die Pflanzen niedrige Temperaturen brauchen, und es muß oft schwer getragen werden. Die Ausbildung bei Frau Grüneberg beinhaltet die verschiedensten Tätigkeiten. Diese beginnen im ersten Lehrjahr beim Fegen, Wischen und dem Aufstellen der Außendekoration und hören im dritten Lehrjahr beim Binden des Brautstraußes auf. Dazwischen gibt es viel zu lernen. So zum Beispiel der Umgang mit den Kunden, die Pflege der Pflanzen und Schnittblumen sowie Sträuße binden und Gestecke arbeiten. Den meisten Auszubildenden macht diese kreative Arbeit viel Spaß. Aber es gibt auch ungeliebte Arbeiten, wie saubermachen und "Grün abputzen". In der Berufsschule erhalten die Auszubildenden Kenntnisse in der Farbenlehre, im Fachzeichnen, im Aufsetzen von Geschäftsbriefen und in der Preis- und Materialkalkulation. Die Arbeitszeiten für Floristen richten sich jeweils nach dem Arbeitgeber. In der Blumentruhe arbeiten die Auszubildenden von Montags bis Freitags von 8 Uhr bis 18.Uhr 30 und Samstags von 8 Uhr bis 16.30, wobei eineinhalb Tage frei sind. Floristen können sich nach der Berufsaubildung und nach drei Jahren beruflicher Praxis zur Floristenmeister weiterbilden. Bereits nach zwei Jahren beruflicher Tätigkeit können sie eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Floristen beginnen. Diese Ausbildung ist allerdings nur in Bayern möglich. Für Antje Grüneberg ist die Ausbildung von angehenden Floristen eine Selbstverständlichkeit. Sie findet, daß jeder Betrieb, dem es möglich ist, Auszubildende einstellen sollte. "Es gibt heute viel zu viele Schulabgänger, die keine Lehrstelle finden." Die Inhaberin der Blumentruhe sieht in der Einstellung von Auszubildenden viele Vorteile. Sie bekommt so zusätzliche Arbeitskräfte, die im Laden einige Aufgaben übernehmen können. Die Arbeit mit den Lehrlingen macht ihr viel Spaß. Selbst erst vor einigen Jahren die Ausbildung abgeschlossen, kann sie sich sehr gut in die Lage der Lehrlinge hineinversetzen. Für Antje Grüneberg gilt das Motto "der Kunde ist König". Neben der Liebe zum Beruf möchte sie vor allem diesen Dienstleistungsgedanken an ihre Auszubildenden weitergeben. Seit Antje Grüneberg 1996 die Blumentruhe von ihrem damaligen Chef übernahm, hat sie bereits einen Lehrling voll ausgebildet. Zwei Lehrlinge befinden sich zur Zeit bei ihr in der Ausbildung. Sie bedauert, daß sie nur wenige Ausgebildete nach der Lehre weiter beschäftigen kann. Den Arbeitsmarkt beschreibt Antje Grüneberg als sehr gut. "Floristen werden eigentlich oft gesucht und es gibt Unmengen von Blumenläden." |