
Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe Dezember:
| Liebling Lichterfelde | Fragt man den Büchermacher Hans Peter Heinicke, warum er gerade
sein Unternehmen accurat verlag getauft hat, antwortet der lächelnd:
"Weil mich diese Vokabel zu penibeler Berufsausübung verpflichtet
und ich damit in Adressbüchern und Registern immer an erster Stelle
stehe."
Der einstige Buchhändler, der seit 12 Jahren Verleger ist, bring von Beginn an ausnahmslos Bücher heraus, die anders sind als die seiner Kollegen. Hier in Lichterfelde entstand die Idee zu der Reihe VORABDRUCK, das waren preiswerte, in großen Auflagen schlicht gefertigte Bücher, die hinterher in kleinerer Stückzahl aufwendig hergestellt nochmals auf den Markt kamen. Umgekehr machte und macht es die Branche. Die Idee und Realisation der Reihe ZWILLINGSBÜCHER entspringt ebenfalls Heinickes Kopf und Hand. Zwei Titel daraus, die in fast keiner Berlinbuchhandlung fehlen, sind BERLINS HEIMLICHE SEHENSWÜRDIGKEITEN und DAS KRIMINAL-MUSEUM BERLIN, beide Auflagenrenner hat er geschrieben. Er liebt und besitzt nicht nur wertvolle und schöne Bücher, er macht auch im Abstand von zwei Jahren selbst welche. Seine "Flaggschiffe", die von farbiger Original-Grafik strotzen, allesamt Blatt für Blatt signiert, numeriert und datiert, gefertigt in jeder Technik, Lithographie, Radierung, Linolschnitt u. a., "kosten viel, sind aber nicht teuer". Da gibt es von Joachim Ringelnatz ALS ICH NOCH EIN SEEPFERDCHEN WAR; Theodor Fontane STINE, Christian Morgenstern DIE GÄNSESCHMALZBLUME ODER DIE WIRKLICHEN GALGENLIEDER, gekauft von Kunstsammlern und Museen des In- und Auslandes. Die Luxusausgabe der GÄNSESCHMALZBLUME wurde Berliner Bestellern mit Rolls Royce ins Haus geliefert. |