Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe Dezember:

Schlichten statt Richten Das ist das Motto der Schiedspersonen Auch in Lankwitz können Menschen in Bedrängnis geraten, sie werden beleidigt und verleumdet, ihre Sachen sind beschädigt worden, sie fühlen sich bedroht und ihr häuslicher Frieden wird gestört. Erwachsene und Kinder werden geschlagen oder erleiden andere Körperverletzungen. Nachbarn streiten sich über laute Wohnungsgeräusche von nebenan, über den Autostellplatz oder über das beschädigte Fahrrad im Hauskeller, Gartenbesitzer sind verärgert, wenn Zweige von Hecken und Bäumen über den Zaun hängen. Nicht immer geschieht eine böse Tat spontan, sondern Zank und Sticheleien dauern schon lange Zeit an. Auch werden Geld und Sachen nicht zurückgegeben, oder man wurde betrogen. Bei diesen Strafsachen oder bürgerlichen Rechtssteitigkeiten - wie sie das Gesetz nennt - bietet der Schiedsmann in Lankwitz seine ehrenamtliche Hilfe an. Das Schiedsmannswesen ist ein vorgerichtliche Schlichtungsinstitution, bei der es aber mehr auf den gesunden Menschenverstand als auf juristisches Wissen ankommt. Die Geschädigten kommen von sich aus zum Schiedsmann oder die Amtsanwaltschaft empfiehlt den Weg dorthin, wenn eine Anzeige bei der Polizei gestellt wurde. Auf Antrag lädt der Schiedsmann die Streitenden zu einem Gespräch ein. Zeugen und Beistände können mitkommen. Zeugen für die Tat oder die Streitigkeiten sind immer wichtig, denn sie können mit ihrer Aussage klären helfen und eine Einigung fördern. In privater Atmosphäre bemüht er sich, die Konflikte gütlich zu bereinigen und einen Ausgleich zu schaffen. Oft ist es ein entschuldigendes Wort, eine lang erwartete Äusserung oder eine Erklärung des Beschuldigten, die den Antragsteller befriedigt. Eine Einigung schreibt der Schiedmann in einem Vergleich auf und die Beteiligten bekräftigen die Vereinbarung mit ihrer Unterschrift. Gelingt die Einigung nicht, bekommt der Antragsteller eine Sühnebescheinigung und kann nunmehr vor Gericht ziehen. Das wollen aber die meisten gar nicht. Ein Prozess entzweit, es gibt Sieger und Besiegte. Das kann zu neuen bösen Strategien herausfordern. Auch wenn es keinen Vergleich gegeben hat, wirkt doch das Gespräch beim Schiedsmann nach und es kommt in Zukunft zu einem verträglichen nebeneinander. Man hat miteinander geprochen und sich die Probleme einmal vom Herzen geredet. Der Schiedsmann kann nicht verurteilen, er will eine gütlichen Einigung. Zwar kann er das Leben der Streitenden nicht aufarbeiten. Er kann aber nach langen schwehlenden Konflikten fragen und dafur sorgen, dass die Menschen "ihre Sprache wiederfinden". In einer Schlichtungsverhandlung kann über alles gesprochen werden, das notwendig erscheint, um an den Kern der Auseinandersetzung der Parteien heranzukommen. Diese Möglichkeit hat ein Richter kaum. Auch nach einer Verhandlung finden sich manchmal Schiedsmann und beteiligte Personen zu einem Gepräch. Das liegt an der ortsteilbezogenen Funktion des Schiedsmannes. Es kommt zu einem freundlichen Gruss auf der Strasse oder beim Einkaufen und man sieht sich im Bus oder auf einer Veranstaltung. Der Schiedsmann wohnt am Ort, er ist auch Nachbar und im Kiez oft bekannt. Die Verhandlung vor dem Schiedsmann, bei der das Erscheinen auch des Antragsgegners Pflicht ist, geschieht unbürokratisch und kostengünstig. Die städtischen Gebühren betragen für einen Vergleich 40,-DM, und für eine Sühnebescheinigung 20,-DM. Hinzu kommen die Post- und Schreibgebühren. Über die entstandenen Kosten von insgesamt ca. 50,- bis 60,- DM wird in der Verhandlung ebenfalls gesprochen und eine Einigung erziehlt. Der Schiedsmann bemüht sich, ein faires Verfahren zu bieten, die Parteien ernst zu nehmen, ihnen Zeit zum äußern zu geben, Einsicht zu wecken und einen Interessenausgleich zu gewährleisten. In einem vermittelndenden Gepräch will er den Rechtsfrieden herstellen. In über 50 Prozent der Fälle vertragen sich die Streitenden.

Der Schiedsmann von Lankwitz ist Wolfgang Friese, er wohnt in der Schneebergstrasse 59, Telefon 774 58 59. Der 63- jährige Bauingenieur ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seit 25 Jahren lebt er in Lankwitz. Vor 14 Jahren wurde er von der Bezirksverordntenversammlung Steglitz zum Schiedsmann gewählt.


zurück | letzte Änderung: 30. November 1998, webmaster