| Schlichten statt Richten
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Das ist das Motto der Schiedspersonen Auch in Lankwitz können
Menschen in Bedrängnis geraten, sie werden beleidigt und verleumdet,
ihre Sachen sind beschädigt worden, sie fühlen sich bedroht und
ihr häuslicher Frieden wird gestört. Erwachsene und Kinder werden
geschlagen oder erleiden andere Körperverletzungen. Nachbarn streiten
sich über laute Wohnungsgeräusche von nebenan, über den
Autostellplatz oder über das beschädigte Fahrrad im Hauskeller,
Gartenbesitzer sind verärgert, wenn Zweige von Hecken und Bäumen
über den Zaun hängen. Nicht immer geschieht eine böse Tat
spontan, sondern Zank und Sticheleien dauern schon lange Zeit an. Auch
werden Geld und Sachen nicht zurückgegeben, oder man wurde betrogen.
Bei diesen Strafsachen oder bürgerlichen Rechtssteitigkeiten - wie
sie das Gesetz nennt - bietet der Schiedsmann in Lankwitz seine ehrenamtliche
Hilfe an. Das Schiedsmannswesen ist ein vorgerichtliche Schlichtungsinstitution,
bei der es aber mehr auf den gesunden Menschenverstand als auf juristisches
Wissen ankommt. Die Geschädigten kommen von sich aus zum Schiedsmann
oder die Amtsanwaltschaft empfiehlt den Weg dorthin, wenn eine Anzeige
bei der Polizei gestellt wurde. Auf Antrag lädt der Schiedsmann die
Streitenden zu einem Gespräch ein. Zeugen und Beistände können
mitkommen. Zeugen für die Tat oder die Streitigkeiten sind immer wichtig,
denn sie können mit ihrer Aussage klären helfen und eine Einigung
fördern. In privater Atmosphäre bemüht er sich, die Konflikte
gütlich zu bereinigen und einen Ausgleich zu schaffen. Oft ist es
ein entschuldigendes Wort, eine lang erwartete Äusserung oder eine
Erklärung des Beschuldigten, die den Antragsteller befriedigt. Eine
Einigung schreibt der Schiedmann in einem Vergleich auf und die Beteiligten
bekräftigen die Vereinbarung mit ihrer Unterschrift. Gelingt die Einigung
nicht, bekommt der Antragsteller eine Sühnebescheinigung und kann
nunmehr vor Gericht ziehen. Das wollen aber die meisten gar nicht. Ein
Prozess entzweit, es gibt Sieger und Besiegte. Das kann zu neuen bösen
Strategien herausfordern. Auch wenn es keinen Vergleich gegeben hat, wirkt
doch das Gespräch beim Schiedsmann nach und es kommt in Zukunft zu
einem verträglichen nebeneinander. Man hat miteinander geprochen und
sich die Probleme einmal vom Herzen geredet. Der Schiedsmann kann nicht
verurteilen, er will eine gütlichen Einigung. Zwar kann er das Leben
der Streitenden nicht aufarbeiten. Er kann aber nach langen schwehlenden
Konflikten fragen und dafur sorgen, dass die Menschen "ihre Sprache
wiederfinden". In einer Schlichtungsverhandlung kann über alles
gesprochen werden, das notwendig erscheint, um an den Kern der Auseinandersetzung
der Parteien heranzukommen. Diese Möglichkeit hat ein Richter kaum.
Auch nach einer Verhandlung finden sich manchmal Schiedsmann und beteiligte
Personen zu einem Gepräch. Das liegt an der ortsteilbezogenen Funktion
des Schiedsmannes. Es kommt zu einem freundlichen Gruss auf der Strasse
oder beim Einkaufen und man sieht sich im Bus oder auf einer Veranstaltung.
Der Schiedsmann wohnt am Ort, er ist auch Nachbar und im Kiez oft bekannt.
Die Verhandlung vor dem Schiedsmann, bei der das Erscheinen auch des Antragsgegners
Pflicht ist, geschieht unbürokratisch und kostengünstig. Die
städtischen Gebühren betragen für einen Vergleich 40,-DM,
und für eine Sühnebescheinigung 20,-DM. Hinzu kommen die Post-
und Schreibgebühren. Über die entstandenen Kosten von insgesamt
ca. 50,- bis 60,- DM wird in der Verhandlung ebenfalls gesprochen und eine
Einigung erziehlt. Der Schiedsmann bemüht sich, ein faires Verfahren
zu bieten, die Parteien ernst zu nehmen, ihnen Zeit zum äußern
zu geben, Einsicht zu wecken und einen Interessenausgleich zu gewährleisten.
In einem vermittelndenden Gepräch will er den Rechtsfrieden herstellen.
In über 50 Prozent der Fälle vertragen sich die Streitenden.
Der Schiedsmann von Lankwitz ist Wolfgang Friese,
er wohnt in der Schneebergstrasse 59, Telefon 774 58 59. Der 63- jährige
Bauingenieur ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seit 25 Jahren lebt
er in Lankwitz. Vor 14 Jahren wurde er von der Bezirksverordntenversammlung
Steglitz zum Schiedsmann gewählt.
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