
Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe Oktober:
| Wirken zeigt Wirkung | Das engagierte Wirken Lankwitzer und Südender Bürger gegen
den Bau einer neuen "B 101", quer durch intakte Wohnquartiere,
zeigt Wirkung. Am 8. September 1998 fand mit dem für die Stadtentwicklung
zuständigen Staatssekretär, Dr Hans Stimman, eine Trassenbegehung
von der Malteser Straße zum Steglitzer Damm statt. Er erkannte die
konstruktive Einstellung der Bürgerinitiative an, deren Motivation
sich nicht auf das "Floriansprinzip", nach dem Motto "bei
mir nicht, bei den Anderen", gründet, sondern eine zukunftsfähige
Lösung der Verkehrsprobleme anstrebt. Es wurde ihm nachdrücklich
vermittelt, wie verfehlt eine Verkehrsplanung sei, der nichts anderes einfällt,
als ausschließlich auf eine neue, auf 70 km/h ausgelegte Hauptverkehrsstraße
zu setzen, mitten durch bisher noch ruhige Wohngebiete und Kleingartenkolonien,
unmittelbar an Schule und Kindertagesstätte vorbei.
Staatssekretär Dr Stimman betonte, daß für ihn ein solches Projekt nur vorstellbar sei, wenn eine neue, städtebauliche Struktur gefunden werden könnte. Er sagte zu, ein externes Stadtplanungsbüro mit einer Untersuchung darüber zu beauftragen, wie eine solche Integration beschaffen bzw, ob sie denn stadtverträglich überhaupt möglich sein könne. Mit der Frage konfrontiert, was eine eventuelle Neuordnung kosten solle und wer sie finanzieren würde, ergänzte er seine Aussage dahin, daß eine Gesamtkostenabschätzung mit der Untersuchung zur Diskussion gestellt werde. Ein wesentlicher Aspekt der Probleme ist die Bewältigung des Wirtschaftsverkehrs, wird doch nicht zuletzt mit der Erschließung des neuen Güterverkehrszentrums (GVZ) bei Großbeeren die Notwendigkeit eines Straßenneubaus begründet. Aber die Widersprüchlichkeit im Umgang mit diesem Argument ist schlicht ein Ärgernis: Einerseits gibt es allseits Willensbekundungen, sogar staatsvertragliche Festlegungen der Länder von Berlin und Brandenburg, Güterverkehr auf die Schiene -gerade auch auf den Verbindungen der GVZ mit Unterzentren in Berlin- verlagern zu wollen, andererseits wird zugelassen, daß die Deutsche Bahn AG auf der Anhalter Bahn in Berlin gar keinen Güterverkehr vorsieht. Daß dennoch die DB - Cargo in einem Schreiben vom 16. September 1998 an die Bürgerinitiative mitteilt, "die Anbindung des (neuen) Terminals (in Großbeeren) kann erst zum Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme der Anhalter Bahn ...realisiert werden", setzt dem ganzen Wirrwarr nur die Krone auf. Von alldem ist nichts im Senatsbericht zur "B 101" an das Abgeordnetenhaus zu lesen! Hieraus gibt es nur einen Schluß: Diese Zukunftsorientierung wurde nicht verfolgt oder wird nicht gewollt! Die Bürger geben sich damit nicht zufrieden. Die Initiative bleibt weiter am Ball und hält Interessierte auf dem Laufenden. |