Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe Oktober:

Was macht eigentlich ein /eine WerkzeugmacherIn Serie Ausbildungsplätze von Grit Kühnhausen

Für die industrielle Herstellung von Produkten müssen Werkzeuge angefertigt werden, die eine gleichbleibend hohe Qualität sichern. Werkzeugmechaniker fertigen und montieren solche Werkzeuge, warten und reparieren sie. Das können zum Beispiel Werkzeuge zum Schneiden und Umformen sein aber auch Preß- und Spritzgußformen. Die Werkzeugmechaniker fertigen diese Werkzeuge nach technischen Zeichnungen und Plänen. Jedes Werkzeug ist eine Einzelfertigung und dem Produkt angepaßt. Dabei ist es vor allem notwendig, daß der Werkzeugmechaniker mit größter Präzision und Maßgenauigkeit arbeitet. Heute helfen ihm dabei computergesteuerte Maschinen. Ein großer Teil der Arbeit muß aber noch von Hand ausgeführt werden. Dabei geht es um Bruchteile von Millimetern. Den Beruf des Werkzeugmechanikers können Männer und Frauen gleichermaßen ausüben. Voraussetzung für die dreieinhalbjährige Ausbildung ist ein guter Haupt- oder Realschulabschluß. Die Bewerber sollten sich für technisch-handwerkliches und präzises Arbeiten sowie für den EDV-Bereich interessieren. Von den ausgelernten Werkzeugmechanikern wird Technisches Zeichnen und Werken genauso wie planvolles Arbeiten erwartet. Die Auszubildenden können sich in der Fachrichtung Stanz- und Umformtechnik oder in der Fachrichtung Formentechnik spezialisieren. Die Elektrotechnische Fabrik Paul Jordan in Berlin-Lankwitz bildet Lehrlinge der Fachrichtung Formentechnik aus. Der stellvertretende Geschäftsführer Jürgen Nagel betont, daß er unter den Bewerbern besonders den Haupt- und Realschülern eine Chance geben will. Dabei geht es ihm weniger um die einzelnen Noten sondern mehr um das Engagement und das Interesse des Bewerbers. Pünktlichkeit und eine gute Organisation des Arbeitsplatzes sind ihm wichtig. Der Ausbildungsplan der Fabrik Paul Jordan ist den Richtlinien der Industrie- und Handelskammer angepaßt. Das Unternehmen ist bemüht, den Auszubildenden eine bestmögliche Ausbildung zu geben und organisiert bei Schwachstellen Nachhilfeunterricht. Die handwerkliche Grundausbildung absolvieren die angehenden Werkzeugmechaniker in der AEG Signum. Dort erhalten sie Kenntnisse der Materialbearbeitung wie Feilen, Sägen und Fräsen. Ansonsten gilt das Prinzip "learning by doing". Die Ausbildung erfolgt beim praktischen Arbeiten. Die Auszubildenden werden unter der Anleitung eines Ausbilders in den Arbeitsalltag eingebunden. Am Ende der Ausbildung steht die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Den Arbeitsmarkt für Werkzeugmechaniker beschreibt Jürgen Nagel sehr positiv. Gute Werkzeugmechaniker werden in vielen Industriebetrieben gebraucht und sind heute schwer zu bekommen. Werkzeugmechaniker können sich nach der Berufsausbildung und drei Jahren Berufspraxis zum Meister oder nach eineinhalb Jahren Berufspraxis zum staatlich geprüften Techniker weiterbilden. Nach bestandener Meister- oder Technikerprüfung steht den Interessenten der Weg zum Betriebswirt des Handwerks oder zum Technischen Betriebswirt offen. Die bereits 1919 gegründete Elektrotechnische Fabrik Paul Jordan stellt Zubehör für Energieversorgungsbetriebe wie zum Beispiel Sicherungskästen und Kabelmuffen her. Das Unternehmen mit seinen 125 Mitarbeiter hat sich durch die Aufrufe des Senats und der Wirtschaftsverbände anstecken lassen, zu den bisherigen 3 Ausbildungsplätzen zwei weitere zu schaffen. Die nunmehr 5 Ausbildungsplätze teilen sich folgendermaßen auf: Ein Werkzeugmechaniker Fachrichtung Formentechnik, ein Energieelektroniker Fachrichtung Betriebstechnik, ein Kunststoff-Formgeber und zwei Diplom-Betriebswirte BA (Berufsakademie). Für die Einstellung von Auszubildenden gibt es für Jürgen Nagel mehrere Gründe. Zum einen gewinnt das Unternehmen nach der beendeten Ausbildung gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte. Zum anderen bildet das Unternehmen über ihren eigenen Bedarf hinaus aus, um dem Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. "Es ist unsere Pflicht, wenn wir gut ausgebildetes Personal gratis vom Arbeitsmarkt nehmen", erklärt Jürgen Nagel die Motivation.


zurück | letzte Änderung: 30. November 1998, webmaster