Zeitungen des Jahres 1998, Ausgabe September:

Serie Ausbildungs-
plätze

In dieser Serie möchte die Redaktion der Stadtteilzeitung Ausbildungsplätze für Berufe vorstellen, die unter Jugendlichen weitgehend unbekannt sind. Dafür haben wir mit Ausbildern in den Betrieben gesprochen, sie nach ihrer Motivation für die Einstellung von Lehrlingen und nach den Anforderungen an die Bewerber gefragt.

Was macht eigentlich ein Baustoffprüfer/Baustoffprüferin? Baustoffprüfer arbeiten in Forschungseinrichtungen, auf Baustellen und in Betonwerken. Ihre Aufgabe ist es, im Labor und auf der Baustelle Prüfungen des Baugrundes und des Baumaterials durchzuführen und damit zur Einhaltung von Qualität und Sicherheit beizutragen. Die bei Baustoffprüfungen angewendeten Prüfmethoden verlangen sorgfältig ausgebildete Fachkräfte. Je nach Neigung kann sich der Auszubildende in einem der drei Bereiche Baugrund/Boden, Beton und bituminöse Massen (zum Beispiel Asphalt) spezialisieren. Wie sich die Lehrlinge auch entscheiden, die Ausbildung dauert in jedem Fall 3 Jahre und beinhaltet den Fachunterricht in der Berufsschule und die praktische Ausbildung in einem Betrieb. In der Ausbildung lernt der Lehrling unter anderem Baustoffe und ihre Anwendung, die entsprechenden Prüftechniken und die Funktion und Wartung der vielseitigen Prüfmaschinen kennen. Voraussetzung für die Ausbildung ist der Hauptschulabschluß. Die Bewerber sollten vor allem stark in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie und Physik sein und, wie der Ausbilder des Berliner Instituts für Baustoffprüfungen Dr. Borries erklärt, auch gute Rechtschreibkenntnisse für das Ausfertigen von Meßprotokollen und Prüfberichten vorweisen können. Die Ausbildung zum Baustoffprüfer können Männer und Frauen gleichermaßen absolvieren. Jedoch bevorzugt das Institut aufgrund der schweren körperlichen Arbeit männliche Bewerber. Während sich die Arbeit im Bereich Asphalt in 90% Labortätigkeit und 10% Baustellentätigkeit aufgliedert, beträgt das Verhältnis in den Bereichen Baugrund/Boden und Beton jeweils 50%. Wer sich für den Beruf des Baustoffprüfers entscheidet, muß sich auf eine unregelmäßige Arbeitszeit und ständig wechselnde Arbeitsorte einstellen. Derzeit prüft das Institut für Baustoffprüfungen am Potsdamer Platz nur abends und nachts. Je nach Auftragslage arbeiten Baustoffprüfer des Instituts auf Baustellen in Berlin und Randgebieten aber auch in weiter entfernten Städten wie in Dresden. Für den ausgelernten Baustoffprüfer gibt es vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. Neben Lehrgängen und Seminaren von Forschungsinstituten, Handwerks- und Architektenkammern sowie Berufsförderungswerken kann nach mehrjähriger Praxis die Weiterbildung zum Betontechnologen, Industriemeister oder zum staatlich geprüften Techniker z.B. in den Fachrichtungen Bautechnik oder Umweltschutztechnik angestrebt werden. Mit dem Erwerb der Fachhochschulreife ist auch ein Fachhochschulstudium zum Ingenieur oder mit dem Abitur auch ein Studium an einer Technischen Hochschule oder Universität möglich. Mit seinen 17 Mitarbeiter stellt das Berliner Institut für Baustoffprüfungen jährlich einen Lehrling ein. Dr. Borries bedauert, daß es dem Betrieb aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage nicht möglich ist, mehreren Bewerbern einen Ausbildungsplatz zu Verfügung zu stellen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Nicht nur, daß das Institut durch die Auszubildenden zusätzliche Arbeitskräfte gewinnt. Im Gegensatz zu den angelernten Mitarbeitern verfügen sie über das notwendige theoretische Hintergrundwissen und sind umfassend ausgebildet. Aus diesem Grund ist der Betrieb auch bestrebt, die Lehrlinge nach der Ausbildung zu übernehmen oder in einer der Schwesterfirmen unterzubringen. Den Arbeitsmarkt für Baustoffprüfer beschreibt Dr. Borries derzeit als stabil. Für die Einstellung von Mitarbeitern muß das Institut heute leider auf Chemielaboranten zurückgreifen. Das relativ junge Arbeitsgebiet des Baustoffprüfers in der Bauindustrie läßt aufgrund der fortschreitenden Mechanisierung, der Entwicklung neuer Baustofftypen und den weiteren steigenden Qualitätsanforderungen gerade auch unter dem Aspekt des umweltgerechten Bauens eine Ausweitung erwarten.


zurück | letzte Änderung: 30. November 1998, webmaster