
Zeitungen des Jahres 1999, Ausgabe Juli:
| Steglitz im Wandel
Immer mehr Menschen zieht es in die Metropole Berlin. Der Umzug der Bonner hat schon begonnen. Viele andere werden folgen. Neue Zentren wie der Potsdamer Platz werden diesen Prozeß verstärken. Das hat auch Einfluss auf den Bezirk Steglitz. Baustadtrat Kopp nannte bei einem Gespräch anläßlich der Wiedereröff-nung des Kranoldmarktes die wichtigsten Veränderungen, die auf den Bezirk zukommen. Die Wiedereröffnung des Kranoldmarktes ist städtebaulich und wirtschaftlich eine fast modellhaft positive Antwort auf die wachsenen Anforderungen an die Subzentren des Bezirkes. „Ein städtebauliches Highlight, das den Kranoldplatz als Ganzes erheblich aufwertet.“, so Kopp. „Jetzt macht es Sinn, den Kranoldplatz städtebaulich neu zu fassen.“ Der Kranoldmarkt ist jetzt eine attraktive Alternative zu den Verkaufszentren im Umland. „Es wird vermieden, das Anwohner zur Nahversorgung ins Umland fahren, das heisst -geringere Umweltbelastung, -Kaufkraft wird in Berlin gehalten, -Arbeitsplätze werden geschaffen. Nicht zuletzt auch steuerlich attraktiv für die Stadt.“„Mit hohem unternehmerischen Risiko hat die Familie Degenhardt am richtigen Standort investiert“, so der Baustadtrat, wird doch Lichterfelde-Ost zu einem Regional-bahnhof ausgebaut. Die gewachsenen Strukturen des Kiezes wurden bei der Planung berücksichtigt. Händler, die vor dem Neubau auf dem Markt vertreten waren, oder andere Geschäfte aus der näheren Nachbarschaft haben hier neu eröffnet. Nicht die Verdrängung kleiner Geschäfte, wie sie auch im Bezirk oft zu beobachten ist, sondern ein sich ergänzendes Nebeneinander von groß und klein, diese besondere Mischung zeigt, so Kopp: „das der Familie Degenhardt der Kiez Lichterfelde-Ost am Herzen liegt“. Mögen die Entwicklungen am Kranoldplatz eher beschaulich anmuten, wesentlichen Einfluß auf Steglitz wird der Umzug der Bundesregierung nach Berlin haben. Baustadtrat Kopp: „40% des Bauvorhabens des Bundes in Berlin sind in Steglitz“. Ob in der Teklastraße, Goerzallee, dem Oertlerweg oder der Eismarer Straße, „die Bauvorhaben bringen dem Bezirk ein Wachstumspotential von mehr als 10.000 auf über 200.000 Einwohner“. Aber auch Botschaften und andere Einrichtungen werden nach Steglitz ziehen. So z.B. die Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes, die in das alte Rittbergkrankenhaus in der Carstennstraße zieht, das Eisenbahnbundesamt, es zieht in den Steglitzer Damm, an die Trasse der „Dresdener Bahn“. Der Bundesnachrichten-dienst zieht in den Gardeschützenweg. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat sein neues Domizil in Steglitz. Die Schloßstraße in Steglitz, die zweitstärkste Einkaufsmeile der Stadt, wird sich in den nächsten Jahren verändern. Das neue Kaufhaus an der Tiburtiusbrücke wird schon gebaut. Ein neuer Bebauungsplan sieht den Bau der Rathauspassagen vor. Der Bau von Gebäudescheiben am Hermann-Ehlers-Platz ist nur ein Beitrag von vielen mit dem Ziel, das Areal rund um den Steglitzer Kreisel aufzuwerten. Das Entwicklungsgebiet in Lichterfelde Süd, das ehem. Park-Range Gelände, soll einmal 7.500-9.000 Menschen eine neue Heimat bieten. Zur Zeit steht der Investor in Verhandlung mit den ersten Preisträgern des von ihm ausgeschriebenen Realisierungswettbewerbes. Der Bezirk wünscht sich eine harmonische Anbindung der neuen Siedlung an die Thermometersiedlung. Bleibt zu Hoffen, das der Bezirk Steglitz seinen ihm eigenen Charakter bewahren wird. Stadtplaner reden von „transitorischen Funktionen, die Steglitz in Zukunft zu erfüllen hat. Gemeint ist damit die rein technische Aufgabe, Verkehre sinnvoll gebündelt der Innenstadt zuzuführen. Eine sicherlich wichtige Aufgabe, die aber nicht auf Kosten der Identität eines Stadtteiles realisiert werden sollte. |