
Zeitungen des Jahres 1999, Ausgabe Juli:
| Ausbildungs- plätze in Steglitz |
Eine Ausbildung von echtem Schrot und Korn
Ausbildungsbetrieb: Schrot und Korn Im nostalgisch anmutenden Naturkostladen „Schrot und Korn“ in der Holsteinischen Ecke, Schöneberger Straße am Walter-Schreiber-Platz wuseln fünf Mitarbeiter, um ihren Kunden täglich frische und ökologische Produkte anzubieten. Unter ihnen der 22jährige Gordon Gawantka, der hier eine Ausbildung zum Naturkostfachverkäufer absolviert. Seine Ausbildung ist nicht nur neu, sondern unterscheidet sich auch organisatorisch von anderen. Gordon hat nicht, wie es normalerweise vorgesehen ist, zwei Bildungsträger sondern drei. Neben der Berufsschule und dem Ausbildungsbetrieb „Schrot und Korn“ besucht er Veranstaltungen des Forums Berufsbildung, das durch die Übernahme der Finanzierung und der Koordination seine Ausbildung ermöglichte. Der Ausbildungsbetrieb wurde 1982 vom Geschäftsinhaber Reiner Kutsch zur Förderung des ökologischen Landbaus und Ernährung als einer der ersten Naturkostläden in Steglitz eröffnet. Eine Ausbildung in diesem Bereich gab es damals für die Pioniere in den Naturkostläden nicht. Auf der Grundlage seiner kaufmännischen Ausbildung eignete er sich das Wissen im Naturkostbereich selbst an. 1986 war er Mibegründer der Bundesverbände Naturkost- und Naturwaren und leitete unter anderem die Richtlinienkommission für den Einzelhandel. Reiner Kutsch engagiert sich aber auch wenn es darum geht, den Nachwuchs für die Idee der natürlichen und ökologischen Produkte zu begeistern. Bei „Schrot und Korn“ sammeln Umschüler und Praktikanten bereits seit über 10 Jahren Berufserfahrungen im Naturkostbereich. Um etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu tun, nimmt er den mit der Ausbildung verbundenen Zeitaufwand gern in Kauf und gibt so sein Wissen über Naturkost und ökologische Produkte an den Nachwuchs weiter. Die finanzielle Förderung des Forums Berufsbildung ermöglichte es nun auch, Gordon Gawantka als Auszubildenden einzustellen und ihm so eine berufliche Perspektive zu bieten. Reiner Kutsch lernte Gordon Gawantka bereits im ökologischen Jahr für Jugendliche kennen, in dem Gordon seine Schulabschlüsse nachholte und halbtags bei „Schrot und Korn“ arbeitete. In dieser Zeit hatte er bereits zahlreiche Erfahrungen im Naturkostbereich gesammelt und konnte als Nachzügler im Januar seine dreijährige Ausbildung beginnen. Reiner Kutsch betreut Gordon Gawantka von Mittwoch bis Freitag und bringt ihm in dieser Zeit die kaufmännische Praxis nahe. Montags und Dienstags geht Gordon wie alle anderen Auszubildenden auch in die Berufsschule, mit einem Unterschied - Dienstag nachmittag ist Forum-Zeit. Für die Auszubildenden, die vom Bildungsträger Forum Berufsbildung gefördert werden, stehen an diesem Nachmittag zusätzliche Schulungen im jeweiligen Ausbildungsbereich auf dem Programm. Für Gordon Gawantka heißt das zum Beispiel „Naturkostkochen“ oder eine Schulung in Buchführung. Aber das ist nicht der einzige Unterschied für die Auszubildenden des Forums. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern an der Berufsschule hat Gordon Gawantka hier Ansprechpartner, die ihm bei rechtlichen Fragen oder der Beantragung des Urlaubs Hilfestellung geben und ihm oftmals den Rücken stärken. Ein Vorteil, den Gordon hoch anerkennt. Dafür muß er aber eine geringere Bezahlung als seine Kommilitonen in Kauf nehmen. Als Ausbildungsvergütung erhält Gordon bei einer 40 Stunden Woche 500,— DM monatlich. Alle anderen Auszubildenden erhalten 200,— DM mehr. Seine Arbeitszeit bei „Schrot und Korn“ beginnt 9.00 Uhr und endet 18.30 Uhr. Am Donnerstag macht er etwas früher Feierabend und arbeitet dafür Freitags bis 20.00 Uhr. In dieser Zeit erledigt er die verschiedensten Tätigkeiten, die in einem Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment anfallen - vom Verkauf über Kundenberatung und Bestandsaufnahme bis zum Auffüllen des Warensortiments. Nach eineinhalb Jahren legt Gordon Gawantka eine Zwischenprüfung ab und am Ende der Ausbildung folgt die Prüfung vor der IHK. Manchmal findet er alles in allem schon ziemlich stressig, doch er weiß, daß er dies für seine berufliche Zukunft tut und dafür, findet er, lohnt sich auch eine anstrengende Woche. |