
Zeitungen des Jahres 1999, Ausgabe September:
| BIG STEPS... | Das Projekt BIG STEPS aus Lichterfelde Süd stellt
sich vor
„Hallo Nachbarn!“ In Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein „Jugendwohnen im Kiez e.V.“ wagt sich die GSW auf ein Neuland, daß erstmalig in Berlin erschlossen wird: Die Einbindung der Jugendlichen in die Servicearbeit im eigenen Kiez. Wer mit offenen Augen durch unsere Thermometersiedlung geht wird festgestellt haben, daß sich die Wohnqualität in unserem Kiez ständig erhöht (wenn auch anfangs ganz sacht): Heimlich, still und leise verschwinden immer schneller die Papierfetzen und Büchsen, die unsere Wohngegend verschandeln - die „Schmierereien“, für die Erwachsene kein Verständnis aufbringen können, werden abgewaschen oder übermalt - beschädigte Bänke und Spielplätze werden repariert - schlecht hinterlassene Wohnungen werden wieder bezugsfertig gemacht - und, und, und,... Wer noch genauer hinschaut bemerkt, daß es junge Leute sind, die sich um diese Aufgaben bemühen. Sie versetzen all die Leute in Erstaunen, die „von Hause aus“ eine schlechte Meinung über Jugendliche haben (und gerade über die, die in deren direkten Nachbarschaft wohnen). Diesen Leuten zum Trotz beweisen diese jungen Leute das Gegenteil: Wer nämlich ganz genau hinschaut bemerkt, daß es die Nachbar-Kids „von gestern“ sind (fast alle sind z.B. in der „Thermo-Kita“ und der Mercator-Grundschule groß geworden), die heute einen Service bieten, der nicht selbstverständlich ist. Welcher Jugendliche möchte z.B. gern den Dreck wegmachen, den Jugendliche und Erwachsene (!) ihm quasi vor die Füße werfen? Eine Idee mit Tragweite Die Wiege dieser Idee steht in Frankreich: In einer Wohnsiedlung mit vielen sozialen Problemfeldern schalteten sich sogenannte „Kümmerer“ ein, die der Siedlung einen unschätzbaren Dienst erweisen: Die Beschäftigung und Qualifikation der arbeitslosen Jugendlichen, die eines der Hauptprobleme darstellen. Dadurch daß das Problem „an der Wurzel“ gepackt wurde, wirkte sich die Problemminderung auch auf die angeschlossen Problemfelder der Siedlung (Lärm, Müll, Drogen, Gewalt, Angst,...) aus. In unserer Thermometersied-lung starten „Jugendwohnen im Kiez“ und die GSW nun auch ein solches Projekt und versprechen sich davon sehr viel: Innerhalb von drei Jahren wird geprüft, ob dieses Rezept auch hierzulande so erfolgreich umgesetzt werden kann, wie in Frankreich. BIG STEPS Große Schritte im kleinen Kiez Der Verein Jugendwohnen im Kiez e.V. (der bereits am französischen Projekt beteiligt war) ist der Träger dieser Arbeitsbeschaf-fungsmaßnahme. Gemeinsam mit der GSW betreibt er die sogenannte „Servicestation“ und beschäftigt ein umfangreich ausgestattetes „Mobiles Einsatzteam“. Die Mitarbeiter dieser Servicestation haben verschiedene Aufgaben: Ein Koordinator übernimmt die Leitung der Station. Er sorgt dafür, daß die verschiedenen Interessen (z.B. der Mieter, der GSW oder der jungen Erwachsenen) gewahrt bleibt und trägt die Hauptverantwortung der Station vor Ort. Zwei Sozialpädagogen kümmern sich sowohl um die internen Schulungen der Jugendlichen als auch um die Problembekämpfung in der Siedlung, die sich durch die hohe Wohndichte ergibt. Zwei Handwerker sorgen für die praktische Unterweisung der künftigen Arbeitnehmer und übernehmen selbst schwierige Fälle oder solche, bei der sich das Beauftragen einer Firma nicht lohnt. Acht Jugendliche (junge Erwachsene) runden schließlich das Bild ab - denn sie sind ja der eigentliche Anlaß der Maßnahme. Sie bereiten sich auf ihr späteres Berufsleben vor und lernen Dinge, die das Elternhaus oder die Oberschule ihnen nicht vermitteln konnte. Kostenloser Service im Wohngebiet Nutznießer der Maßnahme sind allein die Mieter, da ihnen durch den gemeinnützigen Träger keine Kosten entstehen! Auf diesem Weg wurde ein kostenloser Service der GSW ins Leben gerufen, der gleichzeitig für acht Jugendliche der Thermometersiedlung den Start ins Berufsleben bedeutet. Gemeinsam lernen sie einander kennen und verdingen sich zugleich als: Maler, Tapezierer, Klempner oder Gartenbauer,.... Zudem sind sie als stets präsente Ansprechpartner im Kiez vertreten, bieten so zusätzliche Sicherheit und stehen den Mietern als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie hören sich deren Sorgen, Beschwerden oder Lobe an, oder helfen auch einmal älteren Leuten beim Einkauf oder einem Umzug. Den Kindern dienen sie als positives Vorbild, was in manchen Bezirken Berlins schon seit langem fehlt. Wenn auch die Überschrift das Wort „kostenlos“ beinhaltet, heißt dies noch lange nicht, daß kein finanzieller Aufwand dahintersteht: „»Kostenlos« heißt hier: Kostenlos für den Mieter! Wir wollten den vielen berechtigten Beschwerden der Mieter nachgehen und finanzieren das Projekt zu einem großen Teil mit, ohne diesen Aufwand auf die Mieter abzuwälzen!“, so Herr Gleich - Leiter der Geschäftsstelle in der Thermometersiedlung. Nachbarn schaffen Nachbarschaft Und so kommen wir zum Schluß und zu unserem Anliegen: IHR - liebe Nachbarn - wißt jetzt, was wir machen und was wir können. Aber wir wissen nicht, WO wir anfangen sollen! WEM können wir mit unserem Dienst einen Gefallen tun? WER würde sich hier wohler fühlen, wenn wir ihm nur EINEN Gefallen tun würden und WORIN besteht dieser? Wir haben viel vor! Wir möchten, daß wir uns alle einander kennenlernen und uns gegenseitig helfen, denn wir wissen, daß wir uns dann alle wohler fühlen. Heute sind wir noch Pioniere aber es wird die Zeit kommen, da kommen Leute aus anderen Problemsiedlungen zu uns nach Steglitz, die uns später fragen werden, wie wir DAS geschafft haben... Unsere ersten wichtigen Daten: Offizielle Eröffnung mit Ehrengästen am Donnerstag, den 9.9.99 Großes Streetballturnier: Herbst `99 Habt ihr noch Fragen, Bitten oder Anregungen? Wir freuen uns auf euren/Ihren Besuch in der:
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