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Weihnachten in Berlin 1945-1989
von Rosemarie Köhler

Lesung und Buchvorstellung am

Mittwoch, dem 26. November 2003 um 18.30 Uhr
im Gutshaus Steglitz, "Wrangelschlösschen", Schloßstraße 48, 12165 Berlin

Eintritt frei, um telefonische Platzreservierung wird gebeten: Rosemarie Köhler: 832 51 01

"Alle Jahre wieder" wird auch in Berlin das Weihnachtsfest gefeiert.
In dem kürzlich erschienenen Buch "Weihnachten in Berlin 1945 - 1989" verbindet die Autorin Rosemarie Köhler das Fest mit einem historischen Rückblick und einem Stück Berliner-Geschichte.
Das Christfest hatte immer einen privaten und familiären Rahmen. Wenn auch die Lebensbedingungen in Ost und West unterschiedlich waren, so gab es doch viele Gemeinsamkeiten. Es galt, Kinderwünsche zu erfüllen und Geschenke zu besorgen - hier im KaDeWe, dort im Haus des Kindes am Strausberger Platz. Das Festmahl entsprach der jahrelangen Tradition der Familie, aber fast überall - in Steglitz oder Treptow - gab es am Heiligen Abend Kartoffelsalat mit Würstchen.
Auskunft über die Ereignisse, Wünsche und Ängste zum Jahresende geben die Schlagzeilen der Zeitungen in Ost und West: "Volkskammer mit Vietnam solidarisch" oder "Brandt warnt vor Isolierung Berlins" (Dezember 1965).
Die Alltagssorgen der Berliner lassen sich auch im "Tagesspiegel" und in der "Berliner Zeitung" (Ost) ablesen. Die Preise für Weihnachtsbäume waren wieder gestiegen, dagegen wurde Weinbrand billiger. Stand in den ersten Jahren nach Kriegsende der Wunsch nach einer warmen Stube, einem Weihnachtsessen, bei dem man endlich einmal satt wurde, oder ein Paar Winterstiefel im Vordergrund, so verbesserte sich das Warenangebot von Jahr zu Jahr. Im Ostteil der Stadt rang man um die "Erhöhung und Verbesserung der Waren des täglichen Bedarfs", im Westen kamen exotische Früchte, Legosteine und die ersten Geschirrspüler auf den Markt.
Mütter und Väter bemühten sich, die Festtage besonders zu gestalten. Das gute Geschirr wurde aus der Schrankwand geholt und die Kinder mehrmals zur Geduld und zum "artig sein" ermahnt, das Naschen der Weihnachtsplätzchen war geduldet und der Korb mit den Geschenken stand bereit. Wurde es am Heiligabend dunkel, breitete sich in Wilmersdorf und Weißensee gleichermaßen Weihnachtsstimmung aus. Das Fazit: Weihnachten war in den Familien immer ein privates Fest, die Politik blieb draußen.

Erinnert wird auch an "traurige Weihnachten". Nach dem Krieg warteten Frauen und Mütter oft jahrelang auf ein Lebenszeichen der verschollenen Soldaten. Und jedem Berliner ist auch noch das Fest im Jahre 1961 in wehmütiger Erinnerung. Die Mauer trennte Familien, die oft ein Leben lang verbunden waren. Vergeblich bemühten sich Kirchen und Verbände um die Ausstellung von Passierscheinen. Ein schwacher Trost: Kerzen in den Fenstern und Tannenbäume an der Mauer.

Das Buch beschreibt, wie Berliner in Ost und West lernten, mit der Trennung zu leben. Tausende von Päckchen und Paketen mit Jacobs-Kaffee, Perlonstrümpfen, Rheumapflaster und Kugelschreibern gingen von West nach Ost. Sandmännchen, Bücher aus dem Aufbau Verlag und Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge erreichten Verwandte und Freunde im Westen.
Erinnerungen werden wach! Märchenbuden in den Hallen unterm Funkturm und Harald Juhnke im Weihnachtsmannkostüm. Im Lustgarten und später auf dem "Alex" fanden sich Familien aus der DDR ein, die sich bei Kettwurst, Kartoffelpuffer und Glühwein vergnügten und Geschenke, auch so genannte "Bückware" erstanden, während sich die Kinder in der Bastelstraße der Jungen Pioniere beschäftigten.
Zum weihnachtlichen Ritual gehörte auch der Besuch bei Oma und Opa und danach ging es zu "Sternchen auf dem Eis" in die Deutschlandhalle oder zum Konzert in den "Palast der Republik." Abends wurde nach Gänsebraten, Kirschtorte und Pfefferkuchen die Kognakflasche hervorgeholt. Der Schnaps kam aus dem HO Laden oder als Billigware vom Intershop im Bahnhof Friedrichstraße

Berliner in Ost und West erinnern sich in zahlreichen Zeitzeugenberichten an die Festtage. Längst Vergessenes lässt sich nachlesen. Ein Stück Berliner Geschichte: Weihnachten im geteilten Berlin.