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Lexikon
Steglitz-Zehlendorf
Das Lexikon Steglitz-Zehlendof von
Christian Simon ist eine zusammenfassende Bestandsaufnahme der
Ergebnisse heimatkundlicher Forschung, die seit über 100 Jahren in
zahlreichen Artikeln, Aufsätzen und Büchern veröffentlicht
wurden.
Das Lexikon liefert - alphabetisch
geordnet - kurze Erklärungen zu Bauwerken oder topografischen
Gegebenheiten.
Es ist die bisher umfangreichste
Sammlung von aktuellen und historischen Zahlen und Fakten für den
Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Lexikon Steglitz-Zehlendorf
Autor: Christian Simon
Christian Simon Verlag
293 Seiten, 500 g, 16 x 22 cm, Broschur
ISBN 3-936242-01-1
Zu beziehen im Buchhandel, im Steglitz-Museum
oder
direkt beim Verlag: 774 81 88
REDE von Dr. Klaus Riebschläger
anlässlich der Buchvorstellung von Dr. Simon; Lexikon Steglitz
-Zehlendorf in der Buchhandlung Hugendubel am 17. September 2004
Frau Bezirksstadträtin,
Herr Dr. Simon,
sehr geehrte Damen und Herren,
wenn Bücher sprechen könnten,
wären wir als Akteure überflüssig. So aber fällt uns die Rolle
zu, eines der wichtigsten Medien der Kultur zu konzipieren, zu
erarbeiten, zu verlegen, zu verbreiten und zu lesen; die Vorstellung
eines Buches liegt in der Mitte des Gesamtprozesses. Sie ist auch
zugleich der Transmissionsriemen, um aus einem geistigen Geschöpf
ein Wirtschaftsgut zu machen. Eine Aussage, die in Deutschland in
merkwürdiger Weise immer noch verpönt ist, weil man in den Riten
des deutschen Bildungsbürgertums nicht gern über Geld spricht -
man hat es normalerweise. Nur ist der wirtschaftliche Erfolg die
Grundlage dafür, dass Bildung und Kultur sich entfalten können und
ihrerseits wieder im Kreislauf des Geschehens die Voraussetzung für
weitere wirtschaftliche Erfolge schaffen können.
Das Werk zielt zunächst auf ein
Publikum, das sich mit dem Schicksal seines Bezirks auseinander
setzten möchte, entweder um sich damit vertraut zu machen oder
trotz Vertrautseins damit noch besser identifizieren zu können.
Beiden Ansprüchen wird das Buch in hohem Maße gerecht. Der
klassische Fließtext einer historisch -geografischen Abhandlung ist
hier zugunsten des Häppchenprinzips, also der lexikografischen
Anordnung, verlassen worden. Das bekommt der Sache, weil der auch
audio -visuell gebildete Mensch stärker zielgerichtet liest und das
Medium Buch zunehmend auch als Verifikation der flüchtigen
Eindrücke aus Hören und Sehen benutzen will.
Gerade als jemand, der diesen Bezirk,
und zwar nicht nur seinen Steglitzer Teil - mit der Ausnahme der
durch Kriegseinwirkung bedingten Abwesenheit von Berlin in den
Jahren 1943 -1949 - intensiv in allen Phasen seines Lebens erlebt
hat -kann ich bestätigen, dass hier mit einer Liebe zum Detail
gearbeitet worden ist, die sonst so häufig fehlt.
Was zeichnet unseren Bezirk aus?
Statistisch sind die Daten schnell
genannt: Hoher Lebensstandard, starker Wohnbesatz, wenig
Arbeitslosigkeit, geringer Ausländeranteil, Bildungsorientiertheit,
hoher Freizeitwert, kurz: geringer Anteil an den Berliner Problemen.
Gelegentlich hat dies einen Bezirksverordneten - wobei das für jede
Couleur stehen könnte - zu der Bemerkung veranlasst, dass Politik
in Steglitz und Zehlendorf am schwierigsten sei, weil man die Themen
erst erfinden müsse. So ist es natürlich in der Realität nicht.
Aber als ironisches Apercu kann dieser Spruch glatt durchgehen.
Liebensund lebenswert an unserem Heimatbezirk ist die Ausgewogenheit
zwischen dem geschäftigen und geschäftlichen Teil, der sich um die
Rathäuser in Steglitz und Zehlendorf als Hauptzentren der
jeweiligen Bezirksteile konzentriert, den zahlreichen
Erholungslandschaften mit dem Schwerpunkt im Zehlendorfer Teil und
einer insgesamt ausgewogenen Sozialstruktur mit wenig Problemen, was
die Kriminalitätsrate und die Verwahrlosungsrate, wie sie häufig
in öffentlichen Zentren in Erscheinung tritt, angeht.
Stichwortartig ist dieser Bezirk gut bürgerlich. Verdrängt wird
dabei, dass er in der finstersten Phase dieser Stadt, die auch hier
mit der Nazizeit identisch ist, Zentrum vieler zentraler
Aktivitäten der Nazis war. Goebbels hatte hier sein erstes
Hauptquartier; die SS hatte hier ihre Verwaltung der
Konzentrationslager konzentriert; die zentralen SS -Einheiten waren
in den Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptkadettenanstalt
konzentriert; Außenlager von KZ' s waren angebunden an
Fabrikbetriebe in zahlreichen Teilen des Bezirks. In der Endphase
wütete das Regime auch und gerade in unserem Bezirk in
unvorstellbarem Maße, zumal in den Endkämpfen um Berlin das
Überschreiten der Teltow -Kanal -Linie durch sowjetische Truppen
ein Freisetzen der letzten Energien auf beiden Seiten sah. Danach
kam die Phase des Wiederaufbaus. Architektonisch waren wir in den
20er -Jahren mit der rauchlosen Siedlung um den Steglitzer Damm
herum vorn; später war eine erste Hochhaussiedlung im nahezu total
zerstörten Lankwitz der Ausgangspunkt für viele vergleichbare
Bemühungen. Überall regte sich Aktivität und Lust zum Neubeginn.
Wir damals Jüngeren genossen das aufblühende Vereinsleben
zunächst in nur provisorisch, dann in endgültig hergerichteten
Sportstätten. Ein reges Schul- und Vereinsleben entwickelte sich,
das sich in dieser Intensität leider nicht erhalten hat und leider
auch in dem Buch nicht in vollem Umfang berücksichtigt werden
konnte.
Zeit und Raum setzen auch mir
Grenzen. Man kann nicht den gesamten Spannungsbogen im Rahmen einer
solchen kurzen Ansprache ausleuchten und ausschöpfen, aber manchmal
stehen Namen für eine Stadtgeschichte. Von der Wandervogelbewegung
eines Paul Fischer über das Brandenburglied (mit Autor Gustav
Büchsenschütz), von den Brüdern Lilienthal über Friedrich
Althoff, den einstigen Leiter des gesamten preußischen
Hochschulwesen, von Heinrich Seidel über Paul Linke sowie viele
Gegenwärtige spannt sich ein weiter Bogen interessanter und mit
Steglitz verwachsener Bürger. Geschichte und Geschichten haben die
erste elektrische Eisenbahn und der Steglitzer Kreisel, der von
Schöneberg nach Steglitz verlagerte Botanische Garten, das Hahn
Meitner -Institut und das Klinikum Steglitz geschrieben. Die Zahl
der Personen und der Ereignisse ist Legion. Einiges davon, und wie
ich finde - das Wichtigste -hat das Buch von Herrn Dr. Simon
eingefangen und für die Nachwelt festgehalten.
Wir alle kennen das Motto, das zum
Motto des Börsenvereins des deutschen Buchhandels geworden ist -
habent sua fata libelli -, also "Bücher haben ihre
Schicksale".
Vergessen wird immer der Eingangssatz
"pro captu lectoris" - also je nach dem Verstand eines
Lesers haben Bücher ihre Schicksale.
Diesem Buch wünsche ich sicher im
Namen aller viele verständige Leser, die es zugleich als Ansporn
nehmen sollten, unseren schönen und interessanten Bezirk näher
kennen zu lernen.
Dr. Klaus Riebschläger
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