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Drei Fragen an die Bürgerinitiative “B 101” Über 6.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich in den letzten Wochen mit ihrer Unterschrift gegen den Neubau der Bundesstraße „B 101" ausgesprochen, und täglich werden es mehr. Obwohl vielen der verkehrspolitische Unfug des Straßenbauvorhabens offenkundig war, führten die folgenden Fragen oft zu interessanten Gesprächen: Warum soll denn die “B 101” nicht gebaut werden ? Es ist ja richtig, die Planung für diese Straßenverbindung stammt aus der Zeit lange vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals waren die Verkehrsverhältnisse und städtebaulichen Strukturen noch ganz anders als heute. Wenn damals die “B 101” gebaut worden wäre, hätte sich die Entwicklung von Lankwitz und Südende daran orientiert, der Straßenzug wäre sozusagen mit den Stadtteilen gewachsen. Die “B 101” ist in der vom Senat geplanten Form städtebaulich nicht integrierbar. Sie durchschneidet intakte Wohnviertel unter Inkaufnahme von Häuserabrissen. Straßen sollen verbinden - nicht trennen! Sie führt durch verkehrsberuhigte Zonen, über Schulanlagen, vorbei an Kindergärten und über Kleingartenkolonien. Ein sicheres Überqueren ist nur an wenigen Stellen möglich. Pläne für die vorhandene oder zukünftige Randbebauung gibt es nicht. Um so gravierende Einschnitte wie den Bau der “B 101” in das Umfeld von Bürgern durchzusetzen, müssen zunächst Verkehrskonzepte formuliert werden. Der Neubau einer Straße allein ist keine zukunftsfähige Lösung. Die von der Senatsverwaltung versuchte Durchsetzung einer “B 101” im Hau-Ruck-Verfahren kann nur zur Zerstörung von Lebensqualität führen. Viele Bürgerinnen und Bürger in Lankwitz und Südende
leiden unter dem Straßenverkehr. Richtig ist, daß der Personen- und Güterverkehr mit den neuen Güter-Verkehrs-Zentren, Gewerbeparks und Vorortsiedlungen zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Wir bezweifeln jedoch, daß die “B 101” dem ihr unterstellten Ziel einer Verkehrsentlastung gerecht wird. Baute man sie wie geplant, so würde sie nicht zur Lösung der Verkehrsprobleme beitragen, sondern diese verschärfen. Als Hochleistungsstraße zöge sie weiteren Verkehr in die Stadt. Als Verbindung des äußeren und des inneren Autobahnringes entstünde eine fast geradlinige Nord-Süd-Magistrale mit besonderer Attraktivität für den Fernverkehr als Transitstrecke. Der Kollaps auf der jetzt ohnehin schon stark überlasteten Stadtautobahn und im Bereich des Tiergartentunnels ist abzusehen. Es ist ein Trugschluß, an eine wesentliche Entlastung zu glauben. Jede bisher gemachte Erfahrung lehrt, daß zusätzliche Straßen zusätzlichen Autoverkehr anreizt. Die Verkehrsbelastung wird zum „Flächenbrand", denn die jetzigen Straßen bleiben ja, können nicht einfach gesperrt werden. Und Verkehr sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wo soll da eine Verkehrsverringerung von mehr als 50 % herkommen, damit Lärm-, Staub- und Erschütterungsbelastung wirklich spürbar zurückgeht ? Welche Alternativen gibt es ? Nur wer verschiedene Verkehrsträger (Wasser - Schiene - Straße)
intelligent verbindet und dabei Reduzierung statt Zuwachs anstrebt, wird
die Verkehrsprobleme der Stadt lösen, ohne nur städtische Lebensqualität
zu vernichten. Der Schienen-Güter-Verkehr darf nicht im Berliner Umland enden. Das Güter-Verkehrs-Zentrum Großbeeren muß über die Anhalter-Bahn mit innerstädtischen Güterbahnhöfen verbunden werden. Wie bei der in aller Welt bewunderten Baustellenlogistik in Berlins Mitte muß eine Citylogistik für den Wirtschaftsverkehr entwickelt werden. Dies ist keine Phantasterei, sondern wäre die Verwirklichung der Festlegungen im “Staatsvertrag über das gemeinsame Landesentwicklungsprogramm der Länder Berlin und Brandenburg”. Für Pendler ist die Regionalbahnverbindung Ludwigsfelde-Großbeeren-Berlin wichtig. Entscheidend sind optimale Taktzeiten und Verknüpfungen mit dem S- und U-Bahnnetz sowie attraktive P+R-Möglichkeiten an den Bahnhöfen am Stadtrand. Klaus-Dieter Poppek, c/o Nachbarschaftszentrum Halbauer Weg 2 |