Bürgerinitiative B101
c/o Nachbarschaftsverein Lankwitz
Gutshaus Lichterfelde
Hindenburgdamm 28
12203 Berlin - Lichterfelde

21. April 2000

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
- Generalreferat -
Württembergische Str. 6
10707 Berlin

Planfeststellungsverfahren Neubau B101 (Planungsabschnitt 4, Teilabschnitt 2, AB Nr. 10 S. 703. 03.03.2000)

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen die im Feststellungsverfahren vorgesehene Planung für den Neubau der Bundesstraße 101 neu (B101n), Planungsabschnitt 4, Teilabschnitt 2 in den gemeinden Großbeeren und Diedersdorf im Landkreis Teltow-Fläming haben wir, Mitglieder der Bürgerinitiative B101, (siehe anliegende Unterschriften- und Addressenliste) folgende Einwände vorzubringen:

1)
Der Neubau der B101 in Großbeeren und Diedersdorf kann nicht als ein isoliertes Verkehrsprojekt betrachtet werden. Die B101 ist eine Gesamtplanung der Länder Brandenburg und Berlin und muß als solche gesehen und bewertet werden.
Die B101 soll als Hauptverkehrsstraße das Schöneberger Kreuz mit den o.g. Brandenburgischen Gemeinden, insbesondere aber mit dem Güterverkehrszentrum Großbeeren (GVZ), verbinden.

Diese Straße, die seit mehreren Jahrzehnten in Planung in unterschiedlichsten Varianten auftaucht, wurde vom Berliner Senat als ebenerdige Trasse am 19.5.98 beschlossen. Laut Koalitionsvereinbarung CDU und SPD zur Senatsbildung zu Beginn des Jahres bleibt die B101 mit dem Neubauabschnitt zwischen Malteserstraße und Munsterdamm "planerisch gesichert".

Die B101 würde mitten durch 2 intakte Wohngebiete, Lankwitz und Südende, führen. Sie würde diese zerschneiden und die Lebens- und Wohnqualität für die dort lebenden Bürgerinnen und Bürger einschneidend durch vermehrte Lärm- und Abgasimmissionen beeinträchtigen.
Wir weisen erneut darauf hin, daß durch die Planung ein Teil des Hofes der 100-jährigen Grundschule Altlankwitz dem Straßenverkehr geopfert werden soll.
Wir weisen Sie darauf hin, daß mit dem Bau der B101 Lankwitzer Grundschülern ein Schulweg auf einer stark von LKWs befahrenen Straße zugemutet wird.
Wir erinnern Sie daran, daß grundeigentümer in Lankwitz und Südende nach dieser Planung enteignet werden und daß mahrere Häuser in Südende abgerissen werden sollen (siehe zu letzteren Punkten beiliegende Flugblätter und Zeitungen der Bürgerinitiative B101).

Der Bau der B101 im Landkreis Teltow-Fläming stellt einen ersten Schritt zur Realisierung der gesamten Straße dar und wird darum von der Bürgerinitiative B101 mit Nachdruck abgelehnt.

2)
Selbst wenn die gesamte B101 mit den Teilabschnitten Marienfelder Allee (Ausbau) und dem Neubauabschnitt in Lankwitz und Südende nicht in absehbarer Zeit realisiert werden sollte, wenden wir und dennoch gegen den Bau der B101 in Großbeeren und Diedersdorf.
Durch den Bau der B101 in Brandenburg wird zusätzlicher Verkehr auf diese Straßen gezogen, es ist mit einem verstärkten Verkehrsaufkommen in Richtung Berliner Innenstadt in den Quartieren Marienfelde, Lankwitz und Südende als Transitverkehr zu rechnen.
Da die B101 am Güterverkehrszentrum Großbeeren vorbeiführt, wird sie dort Schwerlastverkehr in Richtung Innenstadt aufnehmen und zu einer erheblichen Belastung von Wohnstraßen der o.g. Wohnbezirke führen.
Es wird zu erhöhtem Ausstoß von Abgasen und zu starken Lärmbelästigungen der Anwohnerinnen und Anwohner kommen. (vgl. Spiegel 34/1999: Nach einer Berechnung des Bundesumweltministeriums aus dem vorigen Jahr produzieren die in Deutschland zugelassenen LKWs zweieinhalb mal so viele Stickoxide und fast fünfmal so viel Ruß wie alle angemeldeten 42 Mio Personenwagen zusammen - rund 20.000 Tonnen an Rußpartikeln im Jahr.)
Es ist sicherlich bekannt, daß diese Abgas- und Lärmimmissionen gesundheitsschädlich sind, insbesondere das Herz-Kreislaufsystem wird besonders belastet, Krebserkrankungen treten häufiger auf. Wir weisen Sie darauf hin, daß der wachsende LW-Verkehr Unfallgefahren vor allem für die Schwächeren der Gesellschaft in sich birgt: für die alten Menschen und Kinder.
(Nach dem Spiegel 34/1999 steigt die Zahl der Toten bei Unfällen mit LKW-Beteiligung weiter an, während sie bei PKW-Unfällen rückläufig ist. 1997 starben bei LKW-Unfällen 1698 Menschen).

3)
Die Bürgerinitiative B101 fordert eine Verkehrsplanung für die Quartiere Lankwitz und Südende, die auf einem integrierten stadtverträglichen Verkehrskonzept beruht.
Wie im Auflagenbeschluß zum Flächennutzungsplan von 1994 formuliert, sollte der Verkehr vorrangig auf die Schiene und auf Wasserstraßen verlagert werden, um so den Aus- und Neubau von Transitstrecken durch Wohnbezirke überflüssig zu machen.
Die B101 wäre eine solche Transitstrecke und mit dem Neubau in Brandenburg wäre eine erste Entscheidung für diese Strecke gefallen. Darum wenden wir uns entschieden gegen die vorliegende Planung.

Mit freundlichen Grüßen



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