| B101 - noch immer nicht vom Tisch!
Am 4. Januar 2000 meldete die Berliner Morgenpost: "Senat
legt Ausbau der B101 vorerst auf Eis".
Ähnliche Stimmen sind aus den Verwaltungen des Umwelt- und Verkehrssenats
zu hören: in der kommenden Legislaturperiode würden die Planungen
zum Neubau der B101 zwischen Malteserstraße und Munsterdamm nicht
mehr verfolgt.
Zum einem bietet diese Nachricht für uns Anlaß zur Freude.
Gilut doch der Neubau der B101 als ebenerdige Variante bei Berliner Politikern
als "politisch nicht durchsetzbar". Das bedeutet, daß die
Aktivitäten vieler Lankwitzer und Südender Bürgerinnen und
Bürger (12.000 Unterschriften, viele Briefe und Veranstaltungen sowie
ein Straßenfest der Bürgerinitiative) etwas bewirkt haben. Wir
haben nicht einfach alles über uns ergehen lassen nach dem Motto "Die
da oben machen doch, was sie wollen!", sondern wir haben uns zu Wort
gemeldet und auch Gehör verschafft.
Andererseits dürfen wir nicht vergessen: Die B101 ist damit
noch keineswegs vom Tisch!
In der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD steht, die
B101 "bleibt planerisch gesichert".
Sie bleibt also in den Plänen erhalten, d.h. die Trasse wird für
den Straßenbau freigehalten. Man wartet nur auf günstigere Bedingungen
- vollere Finanztöpfe und etwas schläfrigere Anwohnerinnen und
Anwohner - um die Straße irgendwann doch zu bauen.
Denn wir dürfen die Lobby für einen Straßenbau nicht
unterschätzen. Es gibt einen starken Druck von Seiten der Fuhrunternehmer,
die ihre LKWs ungehindert vom Güterverkehrszentrum Großbeeren
über die B101 in Richtung Innenstadt rollen lassen wollen. Auch der
ADAC war nicht untätig und verlangte vor den Koalitionsgesprächen
den Ausbau dieser Straße.
Darum können wir uns nicht auf diesem "Eis", auf dem die
B101 angeblich liegt, ausruhen. Wir müssen uns darum kümmern,
daß die B101 aus dem Flächennutzungsplan vollständig herausgenommen
wird. Das kann aber nur gelingen, wenn Alternativen zu der jetzigen Verkehrsplanung
entwickelt werden. Der Güterverkehr muß auf der Schiene oder
auf Wasserwegen transportiert werden, nicht auf der Straße durch
einen Wohnbezirk, an Schulen und Kindergärten vorbei. Neue Konzepte
zu entwickeln ist Aufgabe der Verkehrspolitik!
Daß solche Forderungen keine Träumereien von zurückgebliebenen
Romantikern sind, zeigt das Verkehrslogistik-Konzept am berühmten
Potsdamer Platz. Dort wurde jede Tonne mit Baumaterialien, die über
die Straße transportiert wurde, mit hohen Abgaben belegt. So wurde
eine Verstopfung der Straßen durch LKWs verhindert. Das Ergebnis
läßt sich sehen und wurde in ganz Europa bekannt und gewürdigt.
Immer noch gilt, unser Ziel muß sein: Lankwitz und Südende
als Wohn- und Lebensbezirke zu erhalten und nicht durch Transitverkehrsströme
zerschneiden zu lassen.
Die für die Straße freigehaltenen Flächen stellen heute
eine Art "grüne Lunge" für uns dar. Wir können
diese Flächen in Zukunft bürgerfreundlicher gestalten. Zu denken
ist an Sportanlagen, Kinderspielplätze oder Parkanlagen, die das Wohnen
in unserem Bezirk noch schöner machen.
Hier sind Ideen und Initiativen von Anwohnerinnen und Anwohnern gefragt.
Auf einem Teil der Trasse, zwischen Schulstraße und Langkofelweg,
gibt es bereits eine Initiative für eine andere Nutzung: Ein
Nachbarschaftsgarten soll dort entstehen, der von Anwohnern zur Erholung
und Erbauung genutzt werden kann. Organisiert wird die Gestaltung des Nachbarschaftsgartens
vom Nachbarschaftszentrum Lankwitz.
Das Thema "Keine B101 durch Lankwitz und Südende" bleibt
uns also erhalten. Wir sind sicherlich auf einen guten Weg, aber es gibt
noch viel zu tun, bis diese Straße aus Plänen und Köpfen
verschwunden sein wird.
Ingrid Neuendorf, Eva Herborn
c/o Bürgerinitiative B101
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