Offener Brief
der verkehrsökologischen Initiativen und Verbände (VIV)
an die SPD

Berlin, 3.11.99

Sehr geehrter Herr Strieder,

die verkehrsökologischen Initiativen und Verbände (VIV) in Berlin stellen mit Bedauern fest, dass in den zurückliegenden Legislaturperioden Chancen für eine ökologisch und sozial ausgewogene Verkehrspolitik und -planung nicht genutzt wurden. Dies ist um so ärgerlicher, als das Abgeordnetenhaus vor mehr als 5 Jahren dem Senat den Auftrag erteilt hatte, mit dem Stadteentwicklungsplan Verkehr Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Umweltpolitik zu integrieren. Die verkehrsökologischen Initiatiiven und Verbände heben den Senat bei diesem Vorhaben konstruktiv unterstützt. Erinnert sei an die zahlreichen Eingaben während des Planungsprozesses und an die Teilnahme verschiedener ehrentamtlich Tätiger aus unserem Kreis an die den StEP begleitenden Workshops.

Leider ist der StEP-Prozess vor etwas mehr als einem Jahr durch die Verkehrsverwaltung gestoppt worden. Das zum damaligen Zeitpunkt Erarbeitete liefert aber in Form des mit umsetzbaren Maßnahmen untersetzten Szenarios A genügend Materiual zu einer lnachhaltigen Neuorientierung der Berliner Verkehrspolitik: Die Enquetekommission "Zukunftsfähiges Berlin" des Abgeordnetenhauses Berlin, in der alle Parteien des Abgeornetenhauses vertreten sind, hat zum StEP Verkehr folgendes Votum abgegeben:

  • "In Bezug auf die beiden im StEP Verkehr dargelegten Szenarien plädiert die Kommission zugunsten des Szenarios A. Allerdings wird darauf verwiesen, dass auch dieses Szenario den Anforderungen einer nachhaltigen Mobilitätspolitik nicht vollständig gerecht wird. Deshalb empfiehlt die Kommission eine Überarbeitung dieser Variante sowohl in Bezug auf die zugrunde liegenden Annahmen als auch hinsichtlich noch nicht hinreichenden Annahmen".

    (Zukunftsfähiges Berlin
    Bericht der Enquetekommission "Zukunftsfähiges Berlin" des Abgeordnetenhauses von Berlin
    13. Wahlperiode, S. 253)

Diesem Votum schliessen wir uns an. Eine Überarbeitung ist aus unserer Sicht vor allen Dingen hinsichtlich der definierten Sockelmaßnahmen notwendig. Diese müssen - gerade auch unter haushaltswirtschaftlichen Aspekten - erneut auf den Prüfstand. Mit Ausnahme der vorgesehenen Maßnahmen für die S- und Regionalbahn und die Straßenbahn lehnen wir die Sockelmaßnahmen ab. Sie widersprechen den auf eine ökologisch und soziale Stadtentwicklung abzielenden Maßnahmen des Szenario A.

Die empfohlen Maßnahmen des Szenario A hingegen unterstützen wir vorbehaltlos. Die verkehrsökologischen Initiativen und Verbände fordern die SPD deshalb nachdrücklich auf, in den Koalitionsverhandlungen eine Verständigung mit der CDU darüber herzustellen, dass Szenario A, ohne die oben genannten Sockelmaßnahmen, als StEP Verkehr von den beiden Koalitionsparteien zu Beginn der neuen Legislaturperiode in Senat und Abgeordnetenhaus beschlossen wird.

Für konstruktive Vorschläge zur Umsetzung der dann beschlossenen Maßnahmen stehen wir weiterhin gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Rheinländer (BIW), stellvertretend für

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) LV Berlin
AIF - AnwohnerInneninitiative Flaschenhals
Arbeiskreis Verkehr und Umwelt (UMKEHR)
Berlin 21
Berliner Fahrgastverband (IGEB)
Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN)
Bürgerinitiative B101
Bürgerinitiative Westtangente (BIW)
Bürgerinitiative Stadtring Süd, Interessengemeinschaft Teltowkanal (BISS / IGT)
Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) LV Berlin
Fußgängerschutzverein, Landesgruppe Berlin (FUSS)
Greenpeace Gruppe Berlin
Grüne Liga, Berlin
Grüne Radler, Berlin
Moabiter Radschlag
Naturschutzbund (NABU) LV Berlin
Robin Wood
Verkehrsclub Deuschland (VDC), LV Berlin



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