Senatsverwaltung für Stadtentwicklung .... und Verkehr 
Projektgruppe StEP-Verkehr 
30. April 2001
Personenwirtschafts- und des Güterverkehrs-Strategie
Handlungsbedarf, Fragen, Ziele und Konzepte für Berlin 
Fragen an den Wissenschaftlichen Beirat StEP Verkehr

1. Situation:

  • wirtschaftliche Umbruchsituation, Deindustriealisierung, abklingender Bauboom, dadurch Veränderung der Struktur des Wirtschaftsverkehrs, der Güterstruktur und der Güterströme
  • Transportnachfrageveränderungen zusätzlich durch technologische und logistische Entwicklungen (Beispiel e-commerce), durch neue rechtliche Rahmenbedingungen (Beispiel Kreislaufwirtschaftsgesetz, Schwerlastverkehrsabgabe etc.) zu erwarten
  • Randwanderung von Logistikbetrieben, z. T. konzeptionell unterstützt; Belieferung der Stadt zunehmend von ihren Rändern her; zusätzlicher, Transportaufwand
  • Veränderungen auf Transportmarkt durch Unternehmenskonzentrationen, durch Weiterentwicklung der Transportwirtschaft zu logistischen Dienstleistern (z.T. mit integrierten Teilaufgaben der Produktions- und Distributionslogistik)
  • außer Nutzung fallende Transportinfrastruktur des Industriezeitalters (Gleisanschlüsse, Güterbahnhöfe, z. T. Wasserstraßen)
  • überwiegend gutes Straßennetz, aber Engpässe in Teilräumen und insbesondere an Radialen
  • bisher keine Drehscheibenfunktion Berlins im Güterverkehr (keine Brechung von überregionalen Transportketten in größerem Maßstab) (vergleiche Anlagen)
2. Probleme:
  • vermutlich erhebliches Wachstum im Personenwirtschaftsverkehr, Größenordnung allerdings unbekannt
  • im Güterverkehr überproportionales Wachstum beim im Straßengüterverkehr, Bedeutungsverlust umweltfreundlicher Verkehrsträger; zunehmende Stadt-Unverträglichkeit des Güterverkehrs (Lärm, Luft, Sicherheit);
  • unzureichend genutzte Schieneninfrastruktur, vernachlässigte Nebenbahnen
  • nur begrenzte Möglichkeiten der öffentlichen Hand zur Infrastrukturausweitung (insbesondere Straßeninfrastruktur) (stadtstrukturell, fiskalisch) geringe Servicequalität von Bahndienstleistungen durch quasi-Monopolisten "DB-Cargo"
  • "Unpaarigkeit" der Verkehrsströme im Fernverkehr, d. h. asymmetrische Quell- und Zielverkehre
  • Gütertransportleistung im Straßenverkehr wächst stärker als Transportmenge, d. h. abnehmende Effizienz
  • bisher kein intermodaler Güterumschlag (Schiene - Straße) in Güterverkehrszentrum Großbeeren
  • Behinderungen des Straßengüterverkehrs durch gewachsenen privaten Pkw-Verkehr (Staus, Behinderung des Ver- und Entsorgungsverkehrs im Innenstadt und Zentren).
3. Ziele:
  • Verbesserung der wirtschaftlichen Attraktivität des Planungsraumes durch Sicherung der Funktionsfähigkeit des Personenwirtschafts- und Güterverkehrs in Stadt und Region
  • bessere Vernetzung der Verkehrsträger durch leistungsfähige Schnittstellen
  • Begrenzung des Personenwirtschafts- und Straßengüterverkehrswachstums durch:
    • Verkehrsvermeidung
    • modale Verlagerung auf stadt- und umweltfreundliche Verkehrsträger 
  • effizientere Organisation des Güterverkehrs, dadurch bessere Auslastung größere Stadtverträglichkeit des Straßengüterverkehrs
4. Instrumente (kommunale, landespolitische Ebene):

- Infrastruktur:

  • Sicherung und Entwicklung von Gleisanschlüssen, Modernisierung der Wasserwege und der Umschlagstellen am Wasser
  • Planung und Bereitstellung von Umschlagstellen/Logistikknoten (mono- und multimodal) GVZ, GVS, City-Terminals
- Standortplanung und Ansiedlungspolitik:
  • Planung und planungsrechtliche Sicherung bahn- (und ggf. Wasserstraßen) seitig erschlossener Gewerbeflächen
  • Ansiedlung von Betrieben mit großem Güterdurchsatz an Bahnstrecken, Wasserstraßen
- Organisation:
  • Organisation eines regionalen Schienengüterverkehrsverbundes, Vernetzung und Schnittstellenoptimierung zwischen DB-Netz und NE-Bahnen
  • Einbeziehung des Güterverkehrs in sektorübergreifendes Verkehrsmanagement (Verkehrsmanagementzentrale)
  • Plattformen Wirtschaftsverkehr/Ladezonen
  • Lieferspuren/Kombispuren
  • Zeitfenster für Belieferung in Citylagen
  • Koppelung von Ver- und Entsorgung
  • LKW-Vorzugsnetz mit Führungskonzept
- Ordnungsrecht / Vorschriften:
  • baurechtliche Verpflichtung zum Nachweis von logistischen Einrichtungen (z. B. Laderampen etc.) bei Gebäuden mit großem Güterumschlag
5. bisher verfolgte konzeptionelle Ansätze in Berlin:
  • Standortkonzeption für Logistikknoten (GVZ - GVS)
  • Ladezonen in Zentren("Plattformen Wirtschaftsverkehr")
  • (Groß-) Baustellenlogistik
  • Müllentsorgung auf Schiene
  • Sektorübergreifende Logistikkonzepte (Sammel- und Verteilkonzepte, gebündelte Belieferung)


6. Fragen

a) Personenwirtschaftsverkehr:

  • Anhaltspunkte (Erfahrungswerte) zur Abschätzung der Größenordnung des Anteils am Personenverkehr (teilräumliche Differenzierung z. B. Innenstadt-Äußere Stadt) möglich? 
  • Verlagerungsfähigkeit auf ÖPNV?; gibt es Erfahrungen mit spezifischen Maßnahmen zur Unterstützung der Verlagerung?
b) Gewerblicher Verkehr:
  • Erheblicher Zuwachs, insbesondere durch e-commerce, e-logistics (insbesondere KEP-Dienste) zu erwarten?
c) Güterverkehr insgesamt:
  • Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand? Vorrangige Handlungsfelder bei Zielentwicklung/Prozessmoderation/Kooperationsunterstützung und/oder Infrastruktursicherung/-Vorhaltung/-Förderung und/oder ordnungspolitischer Rahmensetzung
d) Weiterentwicklung der Standortkonzeption für Logistikknoten:
  • Wie ist die Philosophie der Güterverkehrszentren vor den Toren großer Städte hinsichtlich der Erreichung der Verlagerungs- und Vermeidungsziele aus heutiger Sicht zu beurteilen? Funktioniert die verkehrsträgerübergreifende Schnittstellenfunktion angesichts des Trends vom Transportunternehmer zum logistischen Dienstleister (mit integrierten Teilaufgaben in der Distributions- und Produktionslogistik)?
  • Wie kann intermodaler Güterumschlag in GVZ (Teilverlagerung auf Schiene) verstärkt werden? Optimierungsmöglichkeit durch Einsatz moderner Umschlagtechnologien? 
  • Können ergänzende dezentrale (kleinere, evtl. "low-cost")-Terminals mit Schienenanbindung einen besseren Beitrag zur Verkehrsvermeidung und Mit-Nutzung der Schiene leisten? 
  • Wie ist die Aufgabenabgrenzung zwischen GVZ und GVS/City-Terminals vorzunehmen?
e) Regionaler Schienengüterverkehr
  • besteht eine Chance zur Ausweitung durch die bevorstehende Veränderung von organisatorischen und technologischen Rahmenbedingungen (Regionalisierung von Teilen der Schieneninfrastruktur, Entwicklung schneller Umschlagtechnologien etc.)?
  • regionaler Schienenverkehrsverbund: Wie sind eine bessere Vernetzung und Kooperation der zersplitterten privaten und halbprivaten Bahnen untereinander, mit professionellen Newcomern und mit der DB-Cargo zu erreichen? Gibt es Beispiele für funktionierende Verbünde?
  • Welche Aufgabe hat die öffentliche Hand?
f) Stadtlogistik:
  • (Wie) sind Großunternehmen (mit privater Logistik) zur Kooperation zu veranlassen? Gibt es Beispiele für funktionierende City-Logistik?
  • Gibt es Maßnahmen zur Verbesserung der Stadtlogistik, die sich als besonders geeignet erwiesen haben (bestimmte Zeitfenster für Belieferung; Lieferspuren/Kombispuren mit Straßenpersonenverkehr; Ladezonen etc.)
  • Gibt es Erfahrungen mit dem Konzept der Benutzervorteile zum Beispiel für lärmarme und/oder gas-betriebene Lkw in bestimmten Stadtzonen? 
g) Erfahrungen mit Lkw-Routenkonzepten als Maßnahme zur Entlastungsminderung und zur besseren Führung des Lkw-Verkehrs:
  • Durchsetzbarkeit mit "weichen Maßnahmen"?
  • per-saldo-Entlastungswirkungen?
  • Akzeptanz per-saldo, d. h. auch an zusätzlichen Belastungspunkten?
h) Infrastrukturmaßnahmen für Binnenschiff
  • sind relevante Steigerungen der Transportnachfrage durch (sehr aufwendige) Infrastrukturmaßnahmen zu erwarten?
  • Sollte sich Berlin für einen parallelen Ausbau von Schiene und Wasserstraßen nach Stettin einsetzen?



letzte Änderung: 10.7.2001, webmaster