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Blinden-Museum Rothenburgstraße 14 Berlin-Steglitz Tel.: 7904 2023
Geöffnet Mittwoch 15:00 bis 18:00 Uhr und nach Anmeldung |
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Eintritt frei Spenden erwünscht |

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während der Tage des IX. Blindenlehrerkongresses in den Sälen
des Reichtagsgebäudes ausgestellte Museum für Blindenunterricht
ist ein schönes Denkmal für den verstorbenen Leiter der Steglitzer
Blindenanstalt Schulrat Wulff, der diese Sammlung ins Leben gerufen hat
und in rastloser Arbeit für ihren weiteren Aufbau Sorge getragen hat.
Das Museum hat die lebhafteste Förderung durch das Unterrichtsministerium
erfahren und ist mit Beiträgen aus der ganzen Welt bedacht worden.
Es bietet allen Blindenlehrern und Blindenfreunden in seinen siebzehn auf
das reichste ausgestatteten Abteilungen ungemein viel Interessantes und
ist in vielen seiner Teile ein beredtes Zeugnis für den Fortschritt,
den das Blindenbildungs- und Blindenunterrichtswesen in den letzten Jahrzehnten
gemacht hat.
Der eingangs zitierte Bericht, den Karl Geiger, Blindenlehrer an der Provinzial-Blindenanstalt Hannover und deren späterer Direktor, im August 1898 verfaßt hatte, stellt das Museum für Blindenunterricht und seine Bestände umfassend und enthusiastisch vor. Er wurde geschrieben, als Karl Wulff, Direktor der traditionsreichen Königlichen Blindenanstalt Berlin-Steglitz, eines seiner Projekte zu einem neuen Höhepunkt gebracht hatte.
1891 konnte Wulff jedoch schon einmal einen Höhepunkt verzeichnen, als ihn auf dem Dienstweg das Schreiben des Miniteriums für geistliche Angelegenheiten über das Königliche Provinzial-Schul-Kollegium zur "Errichtung eines Museums für Blindenunterricht bei der Blindenanstalt zu Steglitz in der dortseits vorgeschlagenen Weise" erreichte. Damit war wieder eines seiner Projekte verwirklicht.
Wulff
hatte den von ihm selbst initiierten Beschluß des VI. Blindenlehrerkongresses
1888 in Köln, in dem "für wünschenswert erklärt"
wurde, "dass in jedem größeren Staat ein Museum für
Blindenunterricht (permanente Ausstellung von Lern- und Lehrmitteln, sowie
von Arbeiten und Arbeitsgeräthen) errichtet werde" in die Tat
umgesetzt und nun war nach längeren Vorarbeiten im Jahre 1891 endlich
dessen offizielle Anerkennung und Unterstützung erreicht.
Dem Museum standen damit nicht nur Räume zur Verfügung, sondern vor allem jährlich 4000 Mark, damals eine erhebliche Summe, mit der man z.B. auf dem Land vier komplette Bauernkaten einschließlich Stall kaufen konnte. Mit Hilfe dieser Mittel konnte Wulff für das Museum neue und historische Lehr- und Hilfsmittel, Unterrichtsmaterial, Maschinen, Handwerkszeug und Bücher aus dem In- und Ausland anschaffen. Das Museum war unterteilt in siebzehn von Geiger im einzelnen beschriebenen Abteilungen, die sowohl Flachdruckbücher und Hochdruckbücher (Reliefbücher) umfaßten als auch die Lehrmittel zu den verschiedenen Unterrichtsbereichen, Schreibmaschinen und Handwerkszeug zu unterschiedlichen Blindenberufen. Es wurde, entsprechend dem damaligen Streben nach einer enzyklopädischen Darstellung eine möglichst umfassende, magazinartig anmutende Form der Präsentation der Exponate gewählt.
Ziel der Arbeit war eine Dokumentation des Blindenunterrichts in seiner historischen Entwicklung ebenso wie Vorstellung und Erprobung neuester Lehrmittel und Blindenhilfsmittel. Nicht zuletzt hatte das Museum auch seinen Stellenwert bei der Öffentlichkeitsarbeit der Königlichen Blindenanstalt.

eitere
Förderung, vor allem eigene größere Räume, erhielt
das Museum 1906, als die Königliche Blindenanstalt anläßlich
ihres 100. Jubiläums ein Gebäude für Museum und Bibliothek
bauen lassen konnte. Weiteren Impetus gab es im Anschluß an den Ersten
Weltkrieg, als der geschichtsbewußte und technikinteressierte Oskar
Picht 1920 Direktor wurde und der Blindenlehrer Werner
Schmidt und seine Frau Hedwig hier besonders Literatur und Grafik aus
allen Gebieten des Blindenwesens sammeln konnten. Werner Schmidts Arbeit
brachte bis 1939 das Museum einen großen Schritt vorwärts.
Das Museum für Blindenwesen, so jetzt der geänderte Name, der
auf eine erweiterte Funktion hinweisen sollte, war "zu einem bedeutenden
Kulturfaktor für ganz Deutschland" ausgebaut worden. Eine wichtige
Funktion hatte es auch bei der Ausbildung der Blindenlehrer, die in Berlin-Steglitz
zentralisiert worden war.
Sieht man einmal ab von der Beschlagnahme eines unbrauchbar gemachten Maschinengewehrs aus dem Ersten Weltkrieg durch die SA im Jahr 1933 und einem Verweis für Werner Schmidt 1935, weil er Bücher auch bei "nichtarischen" Antiquaren gekauft hatte, ist bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges keine Beeinträchtigung des Museums zu vermelden.

inschneidende
Verluste in Museum, Schule und Bibliothek gab es 1943 durch schwere
Bombenschäden. Aus den Trümmern konnten, wenn auch mit Wasserschäden,
hauptsächlich das Archiv sowie Schwarzschrift- und Reliefschriftbücher
geborgen werden -wesentliche Bestände der anderen Sammlungen gingen
aber unwiederbringlich verloren. Als man versuchte, die Gebäude mit
den restlichen Beständen wenigstens vorläufig zu sichern, wurde
selbst die Zuteilung von Holz zur Noteindeckung abgelehnt, weil sie "nicht
kriegswichtig" sei.
Nach den herben Verlusten durch den Krieg war erst einmal der Wiederaufbau der Schule vordringlich, so konnte der blinde Dr. Franz Jurczek, Direktor der Blindenbildungsanstalt, erst 1956 anläßlich des 23. Blindenlehrerkongresses das Museum in den Räumen der ehemaligen Vorschule, einem Backsteinbau aus dem Jahr 1877, wieder eröffnen.
"Die Reste des ebenfalls zerstörten Blindenmuseums sind neu geordnet und den Verhältnissen entsprechend gut untergebracht. Erfreulich daran ist, daß der größte Teil der Museumsbücherei erhalten geblieben ist." Besonderen Verdienst bei der Wiederherstellung des Museums hatte sich Richard Hamann erworben. Bedauerlicherweise mußte das Museum 1971 wieder geschlossen werden, weil seine Räume für den Unterricht des benachbarten Gymnasiums zur Verfügung gestellt wurden.

rst
im März 1983 konnte ein Teil der Bestände des Museums
in den im 2. Stock des einstigen Vorschulgebäudes gelegenen Räumen
der ehemaligen Direktorenwohnung dem allgemeinen Publikum wieder zugänglich
gemacht werden.Trotz der äußerst ungünstigen materiellen
Voraussetzungen -kein Personal, kein Etat zur Pflege der Bestände
oder gar zur Vervollständigung der Sammlung- wurden Sonderausstellungen
durchgeführt und eine Reihe von Ausstellungen, auch außerhalb
Berlins, konnte veranstaltet oder unterstützt werden. Nicht zuletzt
wurden, im Rahmen des Machbaren, zahlreiche Anfragen von Institutionen
und einzelnen Personen bearbeitet.
Zu den Blindenmuseen in Bern, Kopenhagen, Paris und Wien bestehen Kontakte, die sich nicht zuletzt in gegenseitiger Unterstützung durch Austausch von Informationen und Leihgaben zur Vervollständigung von Ausstellungen niederschlagen.
Die Bestände konnten zu unserem großen Bedauern bislang nur unzureichend katalogisiert, systematisiert, untergebracht, restauriert und auf aktuellen Stand gebracht werden. Besonders die umfangreiche Museumsbibliothek mit ihren 5000 Bänden in Schwarzschrift und 2000 Bänden in Reliefdruck blieb, von vergleichsweise wenigen Erwerbungen abgesehen, auf dem Stand stehen, den sie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte.
Zur Verbesserung der völlig unzureichenden Bedingungen, unter denen das Museum arbeitete und immer noch arbeitet, wurde 1986 schließlich ein Förderverein mit Mitgliedern aus der Blindenschule und aus Blindenverbänden gegründet. Er zielt darauf, die Lage des Museums durch ehrenamtliche Arbeit zumindest etwas zu verbessern und durch unbürokraticshe Hilfe zur Förderung der Ziele des Museums beizutragen.
(Text: Uwe Benke, 1991)