Dialog zwischen Landschaft und Stadt
Neue Siedlung auf ehemaligen Truppenübungsplatz - eine Chance für Lichterfelde Süd

Lichterfelde Süd ist eine der größten Entwicklungsflächen für Wohnungsbau im Westen Berlins. Bereits Ende der 80er Jahre rückte das Gebiet, das damals noch überwiegend durch die amerikanischen Streitkräfte genutzt wurde, auf der Suche nach potentiellen Wohnungsstandorten in das Blickfeld der Stadtentwicklung. Mit Aufgabe der Besatzungsrechte ging 1994 das Kerngrundstück, ein ca. 70 ha großes Areal, an den Eigentümer zurück. Mit den angrenzenden kleingewerblich genutzten Flächen stehen jetzt rund 115 ha in einer attraktiven und durch den öffentlichen Personennahverkehr erschlossenen Stadtrandlage für eine Neuentwicklung zur Verfügung. Lichterfelde Süd ist aber auch die Thermometersiedlung, ein nicht unbedingt rühmliches Beispiel in der Berliner Stadtentwicklung. Heute ist man bemüht, dort wieder sozialen Frieden herzustellen. Aktionsprogramme wie das ”Quartiersmanagement” sollen die Lebensqualität für die Bewohner dieser Siedlung verbessern. In den 80ger Jahren gab es die ersten Projekte zur Wohnumfeldverbesserung: Resultate waren die Modernisierung der Fassaden, Umgestaltung der Hauseingangsbereiche, die Renaturierung des Stangenpfuhlgrabens und das heutige Nachbarschafts- und Selbsthilfe-Kontaktzentrum „Altes Waschhaus“. Ein Projekt, das schon im Vorfeld der Planung neuer Siedlungsgebiete das existierende Umfeld mit einbezog und Betroffene bei der Planung beteiligte, war die Sanierungsmaßnahme der GSW in der Kleinraumsiedlung am Woltmannweg in Lichterfelde Süd, auch Mau-Mau-Siedlung genannt. Klaus Zibis, Gemeinwesenarbeiter in Lichterfelde Süd war damals für die Thermometersiedlung an den Planungen beteiligt. Er war auch als Gast bei der entscheidenden Sitzung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbes für die neue Siedlung in Lichterfelde Süd zugegen. Sieger dieses Wettbewerbes wurde die Arbeit des Architekten Prof. Florian Beigel aus London. ”Der Beitrag zeigt eine zarte Planung”, so Zibis, ”eine Architektur, die sich der Landschaft anpaßt”. Dabei waren die Vorgaben des Wettbewerbs sicherlich nicht einfach umzusetzen.

Der Orientierungsrahmen für den städtebaulichen Realisierungswettbewerb sah insgesamt 3.280 Wohnungen in lockerer bis verdichteter Siedlungsform einschließlich Geschoßwohnungssbau auf 52,2 ha Nettowohnbauland vor. Für wohnverträgliches Gewerbe und Arbeiten im Mischgebiet waren 11,1 ha zugrunde zu legen. Dabei beträgt die gesamte Projektentwicklungsfläche ca. 115 ha. Die Realisierung dieser Vorgaben durch Florian Beigel ist für Klaus Zibis ”der ökologischste Plan”. Ca. 30% der Gesamtfläche hält Beigel als wohnungsnahe Grünanlage mit Erholungswert vor. Dabei versucht er mit einem Grünzugang die Siedlung mit der Thermometersiedlung zu verbinden. Trotz des hohen Grünanteils benötigt er bei ca. 61% Anteil Nettobauland nur eine Geschoßzahl von 4, um die geforderten 3.280 Wohneinheiten für ca. 7.500 bis 9.000 Menschen auf diesem Arial zu schaffen. Für diese sind 5 Kindertagesstätten mit jeweils 100 Plätzen und eine vierzügige Grundschule mit Großspielfeld vorgesehen. Für den etwaigen langfristigen Bedarf einer dreizügigen Oberschule ist eine Flächenreserve berücksichtigt. Ebenfalls werden Jugendfreizeiteinrichtungen und öffentliche Kinderspielplätze entstehen. ”Hier zeigt die Planung Beigels ihre Schwächen”, meint Zibis. „Die Zuordnung der Gemeinbedarfseinrichtungen ist schlecht gelöst. Weiterhin ist die für über 3.000 Wohneinheiten vorgesehene verkehrstechnische Infrastruktur zu schwach ausgelegt (10% Straßenlandanteil an der Gesamtfläche), da zusätzlich aus der Richtung des Güterverteilzentrum in Ludwigsfelde mit erheblichem Schwerlastverkehr zu rechnen ist.“ Er verweist auch auf den Beschluß der BVV Steglitz, in diesem Erschließungsgebiet nicht mehr als 2.000 Wohneinheiten vorzusehen. „Man muß damit rechnen, daß vieles aus dem Entwurf am Ende nicht so umgesetzt wird.” Dazu Herr Maximilian Hägen, Geschäftsführer der HABARENT Grundstücks GmbH, die mit der Projektentwicklung beauftragt wurde: ”Wir werden die Ergebnisse des Realisierungswettbewerbes und das Votum der Preisgerichtsentscheidung in der Folgezeit umsetzen und bei der Projektdurchführung auch andere Preisträger (z.B. den 2. Preisträger Daniel Libeskind) berücksichtigen. Den zu fassenden Aufstellungsbeschlüssen für Bebauungspläne geht die Erarbeitung eines Bebauungsplan-Vorentwurfes einher. Der Städtebauliche- und Erschließungsvertrag wird Maßnahmen zur Infrastruktur des Wohngebietes regeln. Als Zeithorizont für den Vertragsabschluß ist der Jahreswechsel 1998/99 vorgesehen. Die Erschließungsplanung sollte dann ab Mitte 1999 umgesetzt werden. Die ersten Hochbaumaßnahmen sind für Anfang des Jahres 2000 angestrebt. Die bisherige Durchführungsplanung sieht 5 Teilgebiete vor. Das Gesamtinvestitionsvolumen dürfte bei wenigstens 1,6 Mrd. DM liegen. Der Wettbewerb Lichterfelde Süd wird ausschließlich privat finanziert. Auch für die Realisierung der Bebauung sind keine öffentlichen Fördermittel vorgesehen.”

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