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Selbsthilfekontaktstelle droht das Aus
"Wir wollen nur eine klare Antwort"

Steglitz. Zig Briefe hat Johanna Herder in den vergangenen Wochen geschrieben: an den Senat, an den Sozialstadtrat, an die Bezirksverordneten - doch eine eindeutige Antwort hat sie nicht bekommen. Die Sozialpädagogin will wissen, wie und ob es mit der Steglitzer Selbsthilfekontaktstelle weitergeht.

"Alle schmieren uns Honig ums Maul und loben uns für 13 Jahre erfolgreiche Arbeit. Und es heißt, wir sollten die Gruppen nicht beunruhigen. Aber wir müssen doch wissen, ob wir eine Zukunft haben", sagt Herder.

Hintergrund: Senat, Bezirksamt und Paritätischer Wohlfahrsverband wollen, dass es in Steglitz-Zehlendorf künftig nur noch eine Selbsthilfestelle geben soll, nämlich jene im Zehlendorfer Mittelhof. Der Steglitzer Einrichtung, die lange Zeit im Alten Waschhaus ansässig war und nun im Immenweg arbeitet, sollen die Stellen gestrichen werden. "Damit sind wir die einzige Berliner Selbsthilfe-Einrichtung, die dichtmachen müsste", so Herder. Kriterien für die Entscheidung seien ihr nicht genannt worden.

Derzeit gibt es 36 Gruppen, die im Schnitt zehn Teilnehmer haben. Sie treffen sich an sieben Orten. Die beiden Sozialpädagoginnen, die sich die 1,1 Stellen teilen, sind als "rasende Betreuerinnen" unterwegs, leiten die Gruppen an, vermitteln und organisieren. Unter anderem gibt es auch einen Zusammenschluss von Kaufsüchtigen, eine Rarität in Deutschland. Die Gruppe wird sogar von der Charité als Forschungsprojekt begleitet.

Darüber hinaus führten die beiden Sozialpädagoginnen im vergangenen Jahr über 3.000 Beratungsgespräche. "Wir sind ein echtes Sparschwein", sagt Herder. Viele Menschen hätten schon etliche Therapien hinter sich und schöpften hier - unter ebenfalls Betroffenen - endlich neuen Lebensmut. "Es ist doch toll, wenn Leute versuchen, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen."

Auch die Betroffenen selbst haben sich zu Wort gemeldet. Die Mitglieder der Gruppe "Ängste und Depressionen" bescheinigen Johanna Herder und ihrer Kollegin überdurchschnittliches Engagement und fürchten, dass "der letzte Rettungsanker gelichtet" werden soll. Weiter heißt es: "Unser Engagement als kranke Menschen für unsere Sache einzustehen, um unsere Situtation durch Eigenaktivität zu bessern, sehen wir mit Füßen getreten." susch

Leserbrief

Berliner Abendblatt vom 24. - 30. September 2003

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