Info 6
Das Vorgespräch mit den Eltern


Für den guten Verlauf eines Tagespflegeverhältnisses ist mindestens ein ausführliches Vorgespräch unbedingte Voraussetzung.

Immer wieder machen wir die Erfahrung, daß ein Betreuungsabbruch vermeidbar gewesen wäre, wenn sich Tagespflegeeltern und Eltern vor Aufnahme des Kindes intensiver über Betreuungswünsche und Notwendigkeiten ausgetauscht hätten.

Führen Sie das Vorgespräch niemals am Telefon.

Vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer Pflegestelle.

Wenn die Mutter nicht alleinerziehend ist, ist es wichtig, daß Sie nicht nur von Mutter und Kind, sondern von beiden Eltern einen Eindruck erhalten.

Bestehen Sie deshalb darauf, daß ein erster Termin von der ganzen Familie wahrgenommen wird.

Bevor Sie sich für oder auch gegen die Aufnahme des Kindes entscheiden, sollten Sie zumindest Mutter und Kind ein weiteres Mal zu sich einladen.

Es ist sinnvoll, einen der beiden Termine während und den zweiten außerhalb Ihrer Betreuungszeit zu vereinbaren.

Dadurch haben Sie die Möglichkeit, das Kind bei einem Zusammentreffen mit ihren eigenen und den bereits betreuten Tagespflegekindern zu erleben und zu beobachten und auch die Gelegenheit zu einem ungestörten Gespräch mit den Eltern.

Beides ist für ein erstes Kennenlernen genauso wichtig.

Denken Sie daran, den Eltern auch Ihre Familie (Partner, Kinder) vorzustellen.

Grundsätzlich empfehlen wir auch einen „Gegenbesuch“ in der Familie Ihres neuen Tagespflegekindes. Sie erhalten dadurch wichtige zusätzliche Informationen (wo schläft das Kind, wo und womit spielt es) über die bisherige Lebenssituation des Kindes, die für die Tagesbetreuung wesentlich und hilfreich sein können.

Auch noch so gut vorbereitete Gespräche können diesen persönlichen Eindruck nur schwer ersetzen.

Gemeinsam mit den Eltern müssen Sie möglichst viele Einzelheiten die evtl. Betreuung des Kindes betreffend genau besprechen.

Bedenken Sie, daß das, was Sie im Umgang mit Kindern für selbstverständlich erachten, von den Eltern völlig anders gesehen werden kann.

Daher ist es wichtig, daß Sie offen und von vornherein sagen, wie Sie Ihre Tagespflegearbeit durchführen.

Es ist Ihre Aufgabe, gemeinsam mit den Eltern herauszufinden, welche Unterschiede es gibt und dann zu entscheiden, ob Sie sich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen können.


Wo und mit wem?

Fragen Sie nach der zwingend erforderlichen Betreuungszeit (Arbeitszeit plus Wegezeit).

Kann eine sehr lange Betreuung z.B. durch wechselseitiges Bringen und Abholen beider Eltern im Interesse des Kindes evtl. verkürzt werden?

Klären Sie alternative Betreuungsmöglichkeiten:

Wer betreut das Kind, wenn Sie aus Krankheits- oder Urlaubsgründen keine Betreuung anbieten können?

Stimmen Sie Ferienpläne weitmöglichst aufeinander ab!


Betreuungszeit

Informieren Sie die Eltern darüber, wo die Kinder in Ihrer Wohnung spielen können und wo keinesfalls.

Zeigen Sie den Eltern die Räume, in denen die Kinder betreut werden (Spielen, Essen, Schlafen).

Erläutern Sie den Eltern, welche Außenspielflächen Sie nutzen (Park, Spielplatz, Garten).

Wenn Sie bereits Tagespflegekinder betreuen:

Beschreiben Sie den Eltern einen normalen Tagesablauf.

  • Welche pädagogische Förderung bieten Sie an?
  • Gehören regelmäßige Außenaktivitäten dazu?

Sprechen Sie Fernsehgewohnheiten Ihrer Familie (vor allem der eigenen Kinder) während der Betreuungszeit an.


Wohnung, Umgebung
Spielmöglichkeiten

Reden Sie mit den Eltern über die Ernährungsgewohnheiten in Ihrer Familie.
  • Kochen Sie täglich frisch?
  • Bieten Sie besondere Ernährung (Vollwertkost, vegetarische Kost) an?
  • Wie gehen Sie mit Süßigkeiten um?

Ernährung

Erläutern Sie den Eltern Ihre Erziehungspraktiken.
  • Was lassen Sie zu, was keinesfalls?
  • Wie lösen Sie Konflikte der Kinder untereinander?
  • Wie setzen Sie Grenzen?

Sprechen Sie über Sauberkeitserziehung.

Viele Eltern haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht, weil ihr Kind zum Unterbringungszeitpunkt noch sehr klein ist und es sich um das erste Kind handelt.

Erläutern Sie den Eltern Ihre Vorstellungen dazu:

  • Bevorzugen Sie eine stringente Handhabung oder sind Sie eher darauf bedacht, erste eigene Signale der Kinder abzuwarten?

Erziehung

Bestehen Sie auf einer Eingewöhnungszeit!

Es ist ganz besonders wichtig, daß das Kind bei dem Übergang in Ihre Tagespflegestelle von den Eltern begleitet wird.

Nur dadurch kann es die erforderliche Bindungsbeziehung zu Ihnen entwickeln und mit der fremden Umgebung, Ihrer Familie und den anderen betreuten Kindern allmählich vertraut werden.

Fragen Sie, wer die Eingewöhnung vornehmen kann.

Dies muß nicht immer zwingend Vater oder Mutter sein.

Auch Großeltern oder andere, dem Kind bereits vertraute Bezugspersonen können diese Funktion übernehmen.


Eingewöhnung

Genauso wichtig ist es, daß Sie die Eltern nach dem bisherigen Tagesablauf des Kindes, seinen Gewohnheiten und anderen, für die Betreuung wesentlichen Dingen fragen:
  • Welchen Schlafrhythmus hat das Kind bisher?
  • Wie schläft das Kind ein (Spieluhr, Nuckel, Kuscheltier, auf dem Arm)?
  • Wo schläft das Kind (Kinderbett, Matratze, Fell, im Bett der Eltern)?
  • Was ißt das Kind (Milumil, Gläschennahrung, frische Kost)?
  • Gibt es Besonderheiten (Allergien, Nahrungsmittelempfindlichkeiten) oder besondere Wünsche (Vollwertkost, vegetarische Ernährung)?
  • Wird das Kind noch gestillt oder gefüttert (Flasche, Löffel) oder ist es schon an selbständiges Essen gewöhnt?
  • Wie verfahren die Eltern mit Süßigkeiten?
  • Welche Vorerkrankungen hatte das Kind bisher?

Lassen Sie sich über evtl. gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Anfälligkeiten (Pseudo-Krupp, Fieberkrämpfe, Neurodermitis) und den bestehenden Impfschutz informieren.


Gewohnheiten und
Erkrankungen des Kindes

Wenn Sie sich mit den Eltern geeinigt haben, erfragen Sie folgende Daten und Unterlagen:
  • Wo sind die Eltern notfalls (z.B. bei Unfall oder plötzlicher Erkrankung des Kindes) tagsüber zu erreichen?
    Notieren Sie Name, Anschrift, Telefonnummer des Arbeitgebers sowie Arbeitszeiten.
  • Wer ist der behandelnde Kinderarzt?
    Bitten Sie die Eltern, daß diese den Kinderarzt unterrichten, ab wann und bei wem sich das Kind in Tagesbetreuung befindet, damit Sie dort notfalls nachfragen können.
  • Klären Sie, wer das Kind (außer den Eltern) abholen darf und lassen Sie sich diese Person vorstellen.
  • Erkundigen Sie sich nach einer Unfallversicherung für das Kind und weisen Sie die Eltern ggf. auf die Notwendigkeit einer solchen Versicherung hin.
  • Fragen Sie nach dem Vordruck „Informationen über das Tagespflegekind“, der den Eltern über die Tagespflegebörse ausgehändigt wurde.

Informieren Sie die Tagespflegebörse umgehend, wenn feststeht, welches Kind Sie aufnehmen möchten!


Wenn Sie sich geeinigt haben